Ver­mö­gens­ver­fall

Nach § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO ist die Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft zu wider­ru­fen, wenn der Rechts­an­walt in Ver­mö­gens­ver­fall gera­ten ist, es sei denn, dass dadurch die Inter­es­sen der Recht­su­chen­den nicht gefähr­det sind ; ein Ver­mö­gens­ver­fall wird ver­mu­tet, wenn ein Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen des Rechts­an­walts eröff­net oder der Rechts­an­walt in das vom Voll­stre­ckungs­ge­richt zu füh­ren­de Ver­zeich­nis (§ 26 Abs. 2 InsO, § 882b ZPO) ein­ge­tra­gen ist.

Ver­mö­gens­ver­fall

Hier­bei ist nach der stän­di­gen Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit eines Wider­rufs infol­ge des ab 1. Sep­tem­ber 2009 gel­ten­den Ver­fah­rens­rechts auf den Zeit­punkt des Abschlus­ses des behörd­li­chen Wider­rufs­ver­fah­rens – hier : den Erlass des Wider­rufs­be­schei­des – abzu­stel­len ; danach ein­ge­tre­te­ne Ent­wick­lun­gen blei­ben der Beur­tei­lung in einem Wie­der­zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten [1].

Ein Rechts­an­walt, der im Schuld­ner­ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen ist, muss zur Wider­le­gung der Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls ein voll­stän­di­ges und detail­lier­tes Ver­zeich­nis sei­ner Gläu­bi­ger und Ver­bind­lich­kei­ten vor­le­gen und kon­kret dar­le­gen, dass sei­ne Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se nach­hal­tig geord­net sind [2].

Ins­be­son­de­re reicht es ersicht­lich nicht, wenn der Rechts­an­walt pau­schal die Exis­tenz bzw. Wirk­sam­keit bzw. Berech­ti­gung von Ver­bind­lich­kei­ten oder Voll­stre­ckungs­ti­teln in Abre­de stellt, behaup­tet, frist­ge­recht gegen jede ihn belas­ten­de Maß­nah­me Rechts­be­hel­fe ein­ge­legt zu haben und zu sei­nen Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen nähe­re Aus­künf­te unter Hin­weis auf sein Per­sön­lich­keits­recht bzw. sein Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ver­wei­gert.

Nach der in § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO zum Aus­druck kom­men­den Wer­tung des Gesetz­ge­bers ist mit einem Ver­mö­gens­ver­fall eines Rechts­an­walts grund­sätz­lich eine Gefähr­dung der Inter­es­sen der Recht­su­chen­den ver­bun­den. Auch wenn die­se Rege­lung nicht im Sin­ne eines Auto­ma­tis­mus zu ver­ste­hen ist, die Gefähr­dung daher nicht zwangs­läu­fig und aus­nahms­los schon aus dem Vor­lie­gen eines Ver­mö­gens­ver­falls folgt, kann die Gefähr­dung im nach der gesetz­li­chen Wer­tung vor­ran­gi­gen Inter­es­se der Recht­su­chen­den nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len ver­neint wer­den [3]. Hier­für trägt der Rechts­an­walt die Fest­stel­lungs­last [4].

Die Annah­me einer sol­chen Son­der­si­tua­ti­on setzt jedoch zumin­dest vor­aus, dass der Rechts­an­walt sei­ne anwalt­li­che Tätig­keit nur noch für eine Rechts­an­walts­so­zie­tät aus­übt und mit die­ser recht­lich abge­si­cher­te Maß­nah­men ver­ab­re­det hat, die eine Gefähr­dung der Man­dan­ten effek­tiv ver­hin­dern [5]. Der blo­ße Hin­weis des Rechts­an­walts dar­auf, dass eine Voll­stre­ckung in Fremd­gel­der aus­ge­schlos­sen sei, da er Bar­zah­lun­gen nicht anneh­me und zur Ver­mei­dung einer Ver­mö­gens­ver­mi­schung unba­re Zah­lun­gen nur auf soge­nann­ten Fremd­geld­kon­ten ent­ge­gen­neh­me, ist nicht geeig­net, einen sol­chen Aus­nah­me­fall zu begrün­den. Ist der Rechts­an­walt als Ein­zel­an­walt tätig, kann er von daher nicht dar­auf­hin über­wacht wer­den, ob er selbst auf­er­leg­te Beschrän­kun­gen hin­sicht­lich der Annah­me von Fremd­geld ein­hält [6].

Genau­so wenig ist von Bedeu­tung, ob es in der Ver­gan­gen­heit noch nicht zu Unre­gel­mä­ßig­kei­ten im Zusam­men­hang mit Fremd­gel­dern gekom­men ist [7], zumal eine Gefähr­dung völ­lig unab­hän­gig von einem kri­mi­nel­len Ver­hal­ten des Betrof­fe­nen ein­tre­ten kann [8].

Im Übri­gen setzt die Annah­me eines Aus­nah­me­falls auch vor­aus, dass der betrof­fe­ne Rechts­an­walt eine Per­spek­ti­ve zur Kon­so­li­die­rung hat ; er muss des­halb selbst ziel­ge­rich­tet, ernst­haft und plan­voll die erfor­der­li­chen Schrit­te zur Sta­bi­li­sie­rung sei­ner Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se unter­nom­men haben [9].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. April 2014 – AnwZ (Brfg) 8/​14

  1. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011 – AnwZ (Brfg) 11/​10, BGHZ 190, 187 Rn. 9 ff.; vom 28.10.2011 – AnwZ (Brfg) 20/​11, NZI 2012, 106 Rn. 7 ; und vom 14.11.2013 – AnwZ (Brfg) 65/​13 5[]
  2. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 22.03.2010 – AnwZ (B) 84/​09 7 ; vom 04.04.2012 – AnwZ (Brfg) 1/​12 3 und 7 ; vom 14.11.2013, aaO Rn. 4 ; und vom 10.02.2014 – AnwZ (Brfg) 81/​13 7[]
  3. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 18.10.2004 – AnwZ (B) 43/​03, NJW 2005, 511 ; vom 31.05.2010 – AnwZ (B) 54/​09 6 ; und vom 24.05.2013 – AnwZ (Brfg) 15/​13 5[]
  4. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 08.02.2010 – AnwZ (B) 67/​08, BRAK-Mitt.2010, 129 Rn. 11 ; vom 05.09.2012 – AnwZ (Brfg) 26/​12, NJW-RR 2013, 175 Rn. 5 ; und vom 26.08.2013 – AnwZ (Brfg) 31/​13 5[]
  5. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 18.10.2004 – AnwZ (B) 43/​03, aaO ; vom 24.10.2012 – AnwZ (Brfg) 43/​12 9 ; vom 26.08.2013, aaO Rn. 5 ; und vom 04.01.2014 – AnwZ (Brfg) 62/​13 6[]
  6. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 31.05.2010, aaO Rn. 8 ; vom 15.03.2012 – AnwZ (Brfg) 55/​11 10 ; vom 14.11.2013, aaO Rn. 6 ; und vom 18.01.2014 – AnwZ (Brfg) 53/​13 6 m.w.N.[]
  7. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 15.03.2012, aaO ; und vom 05.11.2013 – AnwZ (Brfg) 36/​13 6[]
  8. vgl. nur BGH, Beschluss vom 22.05.2013 – AnwZ (Brfg) 73/​12 4[]
  9. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 13.09.2010 – AnwZ (B) 106/​09 17 ; und vom 24.10.2012 – AnwZ (Brfg) 61/​11, AnwBl.2013, 145 Rn. 6[]