Erstel­lung einer Gesell­schafter­lis­te – und die Notar­kos­ten

Die Erstel­lung der Gesell­schafter­lis­te im Zusam­men­hang mit der Beur­kun­dung des GmbH­Grün­dungs­ver­trags ist nach Nr. 22110 KVG­NotKG mit einer 0, 5 Gebühr abzu­rech­nen.

Erstel­lung einer Gesell­schafter­lis­te – und die Notar­kos­ten

Im Gegen­satz zur Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Nürn­berg [1] ist die Erstel­lung der Gesell­schafter­lis­te im Zusam­men­hang mit der Beur­kun­dung des GmbH­Grün­dungs­ver­trags nach der Nr. 22110 KVG­NotKG mit einer 0, 5 Gebühr abzu­rech­nen und nicht nach Nr. 22111 KVG­NotKG mit einer 0, 3 Gebühr.

Die Nr. 22111 KVG­NotKG wäre ledig­lich anwend­bar, wenn die Gebühr für das zugrun­de­lie­gen­de Beur­kun­dungs­ver­fah­ren weni­ger als 2, 0 beträgt. Das der Erstel­lung der Gesell­schafter­lis­te zugrun­de­lie­gen­de Beur­kun­dungs­ver­fah­ren ist aber die nota­ri­el­le Beur­kun­dung der Grün­dung der Betei­lig­ten zu 2. Die Beur­kun­dung der GmbH­Grün­dung hat mate­ri­ell­recht­lich einen grö­ße­ren Bezug zur Erstel­lung der Gesell­schafter­lis­te als die Han­dels­re­gis­ter­an­mel­dung [2].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat noch zur Rechts­la­ge nach der Kos­ten­ord­nung aus­ge­führt, dass die Erstel­lung der Gesell­schafter­lis­te im kos­ten­recht­li­chen Sin­ne dem Voll­zug der GmbH­Grün­dung dient. Die Grün­dung einer GmbH, deren Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter in Befol­gung des § 7 Abs. 1 GmbHG ange­strebt wird, zielt auf ihre Errich­tung als juris­ti­sche Per­son. Inso­fern erfor­dert die Aus­füh­rung des Gesell­schafts­ver­trags die Ein­tra­gung der GmbH in das Han­dels­re­gis­ter (§ 11 Abs. 1 GmbHG) und damit auch die Erstel­lung der Gesell­schafter­lis­te als not­wen­di­ger Bestand­teil der Anmel­dung zum Han­dels­re­gis­ter (§ 8 Abs. 1 Nr. 3 GmbHG). Ob der Notar neben dem Gesell­schafts­ver­trag auch die Anmel­dung zum Han­dels­re­gis­ter beur­kun­det hat, ist für die Ein­ord­nung der Erstel­lung der Gesell­schafter­lis­te als Voll­zug­s­tä­tig­keit im Ver­hält­nis zur Beur­kun­dung der Gesell­schafts­grün­dung nicht aus­schlag­ge­bend [3].

Die mate­ri­ell­recht­li­chen Zusam­men­hän­ge zwi­schen der GmbH­Grün­dung, der Han­dels­re­gis­ter­an­mel­dung und der Gesell­schafter­lis­te haben sich durch das Inkraft­tre­ten des Gerichtsund Notar­kos­ten­ge­set­zes nicht geän­dert. Der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs lag der Voll­zugs­be­griff des § 146 KO a.F. zugrun­de. Dem Voll­zug des Geschäfts dien­ten alle Tätig­kei­ten, die zu den beur­kun­de­ten schuld­recht­li­chen oder ding­li­chen Ver­ein­ba­run­gen der Betei­lig­ten not­wen­di­ger­wei­se hin­zu­kom­men muss­ten, um deren Wirk­sam­keit her­bei­zu­füh­ren und ihre Aus­füh­rung zu ermög­li­chen [4]. Dass die­ser Voll­zugs­be­griff vom Gerichtsund Notar­kos­ten­ge­setz ver­än­dert wer­den soll­te, lässt sich der Geset­zes­be­grün­dung nicht ent­neh­men [5]. Viel­mehr lässt die Begrün­dung erken­nen, dass der Gesetz­ge­ber wei­ter­hin von dem her­ge­brach­ten Voll­zugs­be­griff aus­ge­gan­gen ist [6], da er die Begriff­lich­keit für die Defi­ni­ti­on des Voll­zugs­ge­schäfts selbst ver­wen­det hat [7]. Eine enge Bezie­hung zwi­schen der Erstel­lung der Gesell­schafter­lis­te und der Beur­kun­dung der GmbH­Grün­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof auch dar­in gese­hen, dass er die Ein­rei­chungs­kom­pe­tenz der Gesell­schafter­lis­te beim Han­dels­re­gis­ter als Annex aus der Beur­kun­dungs­kom­pe­tenz zur Beur­kun­dung des Vor­gangs gese­hen hat, der die Erstel­lung bzw. im kon­kre­ten Fall die Ver­än­de­rung der Gesell­schafter­lis­te erfor­der­lich gemacht hat [8].

Die Han­dels­re­gis­ter­an­mel­dung ist für sich genom­men nicht ohne die Beur­kun­dung der GmbH­Grün­dung denk­bar. Es han­delt sich um eine Ver­fah­rens­er­klä­rung, der nach § 8 Abs. 1 Nr. 3 GmbHG eine Gesell­schafter­lis­te bei­zu­fü­gen ist. Als Ver­fah­rens­er­klä­rung erschöpft sich ihr Zweck jedoch auch dar­in, dem mate­ri­el­len Geschäft, hier der GmbH­Grün­dung, zur Wirk­sam­keit zu ver­hel­fen. Die­ser Zusam­men­hang wird nicht dadurch in Fra­ge gestellt, dass nun­mehr nach § 111 Nr. 3 GNotKG eine Anmel­dung zu einem Regis­ter als beson­de­rer Beur­kun­dungs­ge­gen­stand zu gel­ten hat. Dies ändert nichts dar­an, dass sie nur den Sinn hat, das mate­ri­el­le Recht zur vor­he­ri­gen GmbH­Grün­dung ent­ste­hen zu las­sen.

Nicht trag­fä­hig ist dem­ge­gen­über die Argu­men­ta­ti­on des OLG NÜrn­berg, die Gesell­schafts­grün­dung sei schon mit der Beur­kun­dung des Gesell­schafts­ver­trags erfolgt und bedür­fe kei­ner Anmel­dung im Han­dels­re­gis­ter. Der Wil­le der Par­tei­en ist dar­auf gerich­tet, eine GmbH zu grün­den, was eine Ein­tra­gung vor­aus­setzt. Soll­te die­ser Wil­le auf­ge­ge­ben wer­den, kann dar­aus nicht der Schluss gezo­gen wer­den, die Erstel­lung einer Gesell­schafter­lis­te sei nicht erfor­der­lich. Ohne Bedeu­tung ist in die­sem Zusam­men­hang auch, dass die Gesell­schafter­lis­te nicht von den Grün­dungs­ge­sell­schaf­tern zu unter­schrei­ben ist, son­dern vom Geschäfts­füh­rer als Anmel­den­den (§ 78 GmbHG). Die Unter­schrift­s­zu­stän­dig­keit ist für die mate­ri­ell­recht­li­che Ein­ord­nung der Erstel­lung der Gesell­schafter­lis­te im Ver­hält­nis zur GmbH­Grün­dung nicht aus­schlag­ge­bend und damit auch gebüh­ren­recht­lich nicht aus­sa­ge­kräf­tig.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Juni 2019 – II ZB 16/​18

  1. OLG Nürn­berg, Beschluss vom 09.05.2018 87 W 738/​18, Jur­Bü­ro 2018, 418[]
  2. Vol­pert, RNotZ 2015, 276, 278 ; Har­der in Leip­zi­ger Gerichtsund Notar­kos­ten­kom­men­tar, 2. Aufl., Vorbem.02.02.01.1 KV Rn. 40 ff.; Böh­rin­ger, BWNotZ 2014, 166, 169 ; Tied­ke, ZNotP 2014, 118, 119 ff.; Hein­ze, NotBZ 2014, 1, 3 ; ders., NotBZ 2015, 201, 203 ; Diehn in Bormann/​Diehn/​Sommerfeldt, GNotKG, 2. Aufl., § 112 Rn. 8 ; Korintenberg/​Tiedke, GNotKG, 20. Aufl., Vorbem.02.02.01.1 Rn. 35 ; Beck­OK Kostenrecht/​Neie, Stand : 15.02.2018, GNotKG KV Vorbem.02.02.01.1 Rn. 15 ; Fackel­mann, Notar­kos­ten nach dem neu­en GNotKG, 2013, Rn. 825 ; Diehn/​Sikora/​Tiedke, Das neue Notar­kos­ten­recht, 2013 Rn. 557 f.; a.A. Wald­ner, GNotKG für Anfän­ger, 9. Aufl., Rn. 236 ; Wudy, NotBZ 2013, 201, 243[]
  3. BGH, Beschluss vom 14.02.2012 – II ZB 19/​10 21 ; Beschluss vom 14.02.2012 – II ZB 18/​10, DNotZ 2012, 389 Rn. 21[]
  4. BGH, Beschluss vom 14.02.2012 – II ZB 18/​10, DNotZ 2012, 389 Rn.20 ; Beschluss vom 14.02.2012 – II ZB 19/​1020 ; Beschluss vom 20.02.2013 – II ZB 27/​12, ZIP 2013, 775 Rn. 7 ; Beschluss vom 12.07.2007 – V ZB 113/​06, NJW 2007, 3212 Rn. 8 f.[]
  5. RegE. BT-Drs. 17/​11471, S. 138, 190, 222[]
  6. RegE BT-Drs. 17/​11471, S. 222 : Begrün­dung zu Vorbem.02.02.01.1 Abs. 1 Nr. 2 KVG­NotKGE[]
  7. a.A. Wudy, NotBZ 2013, 201, 221[]
  8. BGH, Beschluss vom 17.12 2013 – II ZB 6/​13, BGHZ 199, 270 Rn. 13[]