Die Insol­venz des Rechts­an­walts

Die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen eines Rechts­an­walts hat zur Fol­ge, dass der Ein­tritt des Ver­mö­gens­ver­falls gesetz­lich ver­mu­tet wird (§ 14 Abs. 2 Nr. 7 Halbs. 2 BRAO).

Die Insol­venz des Rechts­an­walts

Die­se gesetz­li­che Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls ist im Fall eines Insol­venz­ver­fah­rens erst dann wider­legt bezie­hungs­wei­se kön­nen die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se wie­der als geord­net ange­se­hen wer­den, wenn dem Schuld­ner ent­we­der durch Beschluss des Insol­venz­ge­richts die Rest­schuld­be­frei­ung ange­kün­digt wur­de (§ 291 InsO a.F. bzw. § 287a InsO n.F.) oder ein vom Insol­venz­ge­richt bestä­tig­ter Insol­venz­plan (§ 248 InsO) oder ange­nom­me­ner Schul­den­be­rei­ni­gungs­plan (§ 308 InsO) vor­liegt, bei des­sen Erfül­lung der Schuld­ner von sei­nen übri­gen For­de­run­gen gegen­über den Gläu­bi­gern befreit wird [1].

Die Anwicht, es sei für die Beur­tei­lung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit gemäß § 17 InsO auf eine „Zeit­raum-Illi­qui­di­tät“ – hier bezo­gen auf den Zeit­raum zwi­schen dem Antrag auf Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens und dem Zeit­punkt der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens abzu­stel­len und aus die­ser Betrach­tung erge­be sich, dass zu kei­nem Zeit­punkt wäh­rend des genann­ten Zeit­raums eine Zah­lungs­un­fä­hig­keit vor­ge­le­gen habe, geht in mehr­fa­cher Hin­sicht schon im Ansatz fehl. Sie lässt zum einen außer Betracht, dass es hier für die Beur­tei­lung des Ver­mö­gens­ver­falls im Sin­ne des § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO, wie bereits erwähnt, ent­schei­dend auf den Zeit­punkt des Wider­rufs­be­scheids ankommt. Zum ande­ren wird hier­bei ver­kannt, dass im Ver­fah­ren des Antrags auf Zulas­sung der Beru­fung grund­sätz­lich weder die Vor­aus­set­zun­gen der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens noch die­je­ni­gen der wei­te­ren vor­ste­hend genann­ten insol­venz­recht­li­chen Ent­schei­dun­gen zu über­prü­fen sind ; dies obliegt viel­mehr der Beur­tei­lung des Insol­venz­ge­richts [2].

Nach der in § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO zum Aus­druck kom­men­den Wer­tung des Gesetz­ge­bers ist mit dem Ver­mö­gens­ver­fall eines Rechts­an­walts grund­sätz­lich eine Gefähr­dung der Inter­es­sen der Recht­su­chen­den ver­bun­den. Auch wenn die­se Rege­lung nicht im Sin­ne eines Auto­ma­tis­mus zu ver­ste­hen ist, die Gefähr­dung daher nicht zwangs­läu­fig und aus­nahms­los schon aus dem Vor­lie­gen eines Ver­mö­gens­ver­falls folgt, kann die Gefähr­dung im nach der gesetz­li­chen Wer­tung vor­ran­gi­gen Inter­es­se der Recht­su­chen­den nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len ver­neint wer­den, wobei den Rechts­an­walt die Fest­stel­lungs­last trifft. Die Annah­me einer der­ar­ti­gen Son­der­si­tua­ti­on setzt jedoch zumin­dest vor­aus, dass der Rechts­an­walt sei­ne anwalt­li­che Tätig­keit nur noch für eine Rechts­an­walts­so­zie­tät aus­übt und mit die­ser recht­lich abge­si­cher­te Maß­nah­men ver­ab­re­det hat, die eine Gefähr­dung der Man­dan­ten effek­tiv ver­hin­dern [3]. Eine sol­che Aus­nah­me­si­tua­ti­on ist hier nicht gege­ben. Der Klä­ger ist nach wie vor als Ein­zel­an­walt tätig.

Selbst auf­er­leg­te Beschrän­kun­gen des in Ver­mö­gens­ver­fall gera­te­nen Rechts­an­walts sind – wie der Bun­des­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung annimmt [4] – nicht geeig­net, eine Gefähr­dung der Recht­su­chen­den aus­zu­schlie­ßen.

Abge­se­hen davon erfor­dert die Annah­me eines Aus­nah­me­tat­be­stands neben dem Vor­lie­gen der ange­spro­che­nen – hier nicht gege­be­nen – Vor­aus­set­zun­gen auch, dass der Rechts­an­walt sei­nen Beruf bis­her ohne jede Bean­stan­dung geführt hat [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom vom 22. Juli 2016 – AnwZ (Brfg) 63/​15

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 03.06.2015 – AnwZ (Brfg) 11/​15 4 ; vom 09.06.2015 – AnwZ (Brfg) 16/​15 9 f.; vom 17.09.2015 – AnwZ (Brfg) 29/​15 5 ; jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 10.07.2015 – AnwZ (Brfg) 25/​14 9 ; vom 09.06.2015 – AnwZ (Brfg) 16/​15 10[]
  3. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 26.08.2013 – AnwZ (Brfg) 31/​13 5 ; vom 09.02.2015 – AnwZ (Brfg) 46/​14 12 ; vom 17.03.2016 – AnwZ (Brfg) 6/​16 4 ; jeweils m.w.N.[]
  4. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 16.03.2015 – AnwZ (Brfg) 47/​14 6 ; vom 03.06.2015 – AnwZ (Brfg) 11/​15 8 ; vom 08.06.2016 – AnwZ (Brfg) 18/​16 5 ; jeweils m.w.N.[]
  5. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 18.10.2010 – AnwZ (B) 21/​10 13 ; vom 03.06.2015 – AnwZ (Brfg) 11/​15, aaO ; vom 08.06.2016 – AnwZ (Brfg) 18/​16, aaO ; jeweils m.w.N.[]