Nota­rhaf­tung – und die Kol­le­gi­al­ge­richts­richt­li­nie

Im Bereich der Amts­haf­tung kann sich der Amts­trä­ger im Regel­fall auf die all­ge­mei­ne Richt­li­nie beru­fen, dass einen Amts­trä­ger in der Regel kein Ver­schul­den trifft, wenn ein mit meh­re­ren Rechts­kun­di­gen besetz­tes Kol­le­gi­al­ge­richt die Amts­tä­tig­keit als objek­tiv recht­mä­ßig ange­se­hen hat [1].

Nota­rhaf­tung – und die Kol­le­gi­al­ge­richts­richt­li­nie

Die so genann­te Kol­le­gi­al­ge­richts­richt­li­nie greift jedoch nicht ein,

  • wenn das Gericht eine gesetz­li­che Bestim­mung „hand­greif­lich falsch“ aus­ge­legt hat, fer­ner,
  • wenn und soweit es für die Beur­tei­lung des Fal­les wesent­li­che Gesichts­punk­te unbe­rück­sich­tigt gelas­sen hat oder
  • sich bereits in sei­nem recht­li­chen Aus­gangs­punkt von einer recht­lich ver­fehl­ten Betrach­tungs­wei­se nicht hat frei­ma­chen kön­nen [2].

Jeden­falls Letz­te­res lag in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Streit­fall einer Nota­rhaf­tung vor. Das Beru­fungs­ge­richt hat im Aus­gangs­punkt sei­ner Beur­tei­lung einer Amts­pflicht­ver­let­zung des Beklag­ten die bereits seit lan­ger Zeit gefes­tig­te Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu den bür­ger­lich-recht­li­chen Kri­te­ri­en der Abgren­zung der pri­va­ten von der unter­neh­me­ri­schen Ver­mö­gens­ver­wal­tung [3] über­se­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Mai 2020 – III ZR 58/​19

  1. sie­he dazu zB BGH, Urtei­le vom 21.02.2019 – III ZR 115/​18, WM 2019, 801 Rn.20 ; vom 02.08.2018 – III ZR 466/​16, VersR 2019, 28 Rn. 24 ; vom 07.09.2017 – III ZR 618/​16, BGHZ 215, 344 Rn. 25 ; vom 06.02.1997 – III ZR 241/​95, NVwZ 1997, 1243, 1245 ; und vom 06.02.1986 – III ZR 109/​84, BGHZ 97, 97, 107 ; jew. mwN[]
  2. BGH, Urtei­le vom 21.02.2019 ; vom 02.08.2018 ; und vom 06.02.1997 ; jew. aaO[]
  3. sie­he ins­be­son­de­re bereits BGH, Urtei­le vom 25.04.1988 – II ZR 185/​87, BGHZ 104, 205, 208 ; und vom 23.09.1992 – IV ZR 196/​91, BGHZ 119, 252, 256[]