Die Auswahl eines Rechtanwalts

Kommt es zu einem Gerichtsver­fahren, wird in der Regel auf die Hil­fe und Unter­stützung eines Recht­san­walts zurück­ge­grif­f­en. Dabei bleibt es dem Betrof­fe­nen über­lassen, nach welchen Gesicht­spunk­ten er seine Wahl trifft. Die räum­liche Nähe der Kan­zlei zum Wohnort des Man­dan­ten kann zwar immer noch ein Auswahlkri­teri­um sein, muss es aber nicht. Beson­ders mit der All­ge­gen­wär­tigkeit des Inter­nets entschei­den sich die Man­dan­ten häu­fig auf­grund von im Inter­net veröf­fentlicht­en Erfahrun­gen und Fach­wis­sen.

Die Auswahl eines Rechtanwalts

Die Auswahl eines RechtanwaltsGer­ade mit der steigen­den Zahl der Juris­ten ist es beson­ders attrak­tiv, als Recht­san­walt eine Fachan­walts­beze­ich­nung führen zu dür­fen. Mit dem Fachan­walt wer­den beim Man­dan­ten Kom­pe­tenz und Erfahrung auf diesem Rechts­ge­bi­et ver­bun­den. So hat auch der Anwalts­gericht­shof des Lan­des Nor­drhein-West­falen in einem Fall betont, dass ein Recht­san­walt für die Ver­lei­hung ein­er Fachan­walts­beze­ich­nung den Erwerb beson­der­er the­o­retis­ch­er Ken­nt­nisse im gesamten in der Fachan­walt­sor­d­nung genan­nten Bere­ich des Fachge­bi­et nach­weisen muss. Kann er nicht bele­gen, über beson­dere the­o­retis­che Ken­nt­nisse in allen Bere­ichen des betr­e­f­fend­en Fachge­bi­etes zu ver­fü­gen, ist das nicht aus­re­ichend1.

Allerd­ings lässt die beson­dere Qual­i­fizierung zum Führen eines “Fachan­walt­sti­tels” nicht den Umkehrschluss zu, jed­er Recht­san­walt ohne diese Zusatzbeze­ich­nung sei weniger gut. Zu einem unzufriede­nen Man­dan­ten kann es aus diversen Grün­den immer wieder kom­men. Sucht sich der Man­dant dann einen neuen Rechts­bei­s­tand, zählen wiederum seine sub­jek­tiv­en Auswahlkri­te­rien, nach denen er z. B. einen Recht­san­walt in Hes­sen oder eine Recht­san­wältin in Düs­sel­dorf beauf­tra­gen wird. Hat sich die Kan­zlei auf bes­timmte The­men und Fachge­bi­ete spezial­isiert, aber der dort tätige Jurist führt keinen “Fachan­walt­sti­tel”, heißt das nicht unbe­d­ingt, er ist weniger kom­pe­tent als ein Recht­san­walt und Fachan­walt.

Genau­so sub­jek­tiv ist die Entschei­dung zu Gun­sten ein­er großen Anwaltssozi­etät oder ein­er Kan­zlei mit einem Einze­lan­walt. So wie sich jed­er Jurist ganz indi­vidu­ell entschei­det, ob er in ein­er Sozi­etät — wom­öglich mit Nieder­las­sun­gen im In- und Aus­land — oder als Einze­lan­walt tätig sein möchte, so trifft ein Man­dant die Auswahl nach seinem per­sön­lichen Vor­lieben und Über­legun­gen. Wech­selt ein Man­dant seinen Recht­san­walt, ist es nicht ein­mal sich­er, dass er seine Auswahlkri­te­rien ändert.

Ist ein Man­dat been­det, ist der Recht­san­walt zur Her­aus­gabe der von ihm geführten Han­dak­te verpflichtet. So hat der Anwalts­gericht­shof für das Land Nor­drhein-West­falen2 in Vol­lzug des Revi­sion­surteils des Sen­ats für Anwaltssachen beim Bun­des­gericht­shof3 entsch­ieden. Nach dessen Auf­fas­sung beste­ht nicht nur eine zivil­rechtliche son­dern auch eine beruf­s­rechtliche Pflicht, eine Han­dak­te her­auszugeben. In dem hier vor­liegen­den Fall haben die Man­dan­ten, ein Ehep­aar, alle dem Anwalt zuste­hen­den Gebühren und Aus­la­gen bezahlt und sich einen neuen Recht­san­walt gesucht. Dieser hat über einen län­geren Zeitraum erfol­g­los ver­sucht, von seinem Kol­le­gen die Man­dan­ten-Han­dak­ten zur Weit­er­führung des Man­dats zu erhal­ten. Der Anwalts­gericht­shof sah in diesem anlass­losen Zurück­hal­ten ein gravieren­des Fehlver­hal­ten. Wenn ein Man­dat vorzeit­ig been­det wird und ein ander­er Recht­san­walt mit der Recht­san­gele­gen­heit betraut wird, kann der Man­dant laut dem Anwalts­gericht­shof mit Fug und Recht erwarten, dass er die seinem früheren Bevollmächtigten aus­ge­händigten Unter­la­gen zurück­er­hält.

  1. AnwGH NRW, Urteil vom 21.08.2015 — 1 AGH 11/14 []
  2. AnwGH NRW, Urteil vom 29.05.2015 — 1 AGH 1/15 []
  3. BGH, Urteil vom 03.11.2014 — Anw­St ® 5/14 []