Fris­ten­kon­trol­le bei der Akten­vor­la­ge

Wer­den dem Rechts­an­walt zur Abfas­sung der Beschwer­de­be­grün­dung die Hand­ak­ten vor­ge­legt, hat er auch zu prü­fen, ob die Beschwer­de frist­ge­recht ein­ge­legt wor­den ist.

Fris­ten­kon­trol­le bei der Akten­vor­la­ge

Die Kon­trol­le, ob die Rechts­mit­tel­schrift inner­halb der gesetz­li­chen Frist beim Rechts­mit­tel­ge­richt ein­ge­gan­gen ist, stellt mit der Vor­la­ge der Hand­ak­ten an den Anwalt zur Vor­be­rei­tung oder Durch­füh­rung einer frist­ge­bun­de­nen Pro­zess­hand­lung kei­ne rou­ti­ne­mä­ßi­ge Büro­ar­beit mehr dar, son­dern erfor­dert die Prü­fung der Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen für das beab­sich­tig­te oder bereits ein­ge­leg­te Rechts­mit­tel, die in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Rechts­an­walts fällt [1]. Die­se Prü­fung beschränkt sich, wenn die Akten bei­spiels­wei­se zur Abfas­sung der Beru­fungs­be­grün­dung vor­ge­legt wer­den, nicht auf die Kon­trol­le, ob die hier­für lau­fen­de Frist noch gewahrt ist. Da dies nur eine Vor­aus­set­zung für die Zuläs­sig­keit des Rechts­mit­tels ist, hat sich der Rechts­an­walt auch zu ver­ge­wis­sern, dass schon zuvor die Beru­fung recht­zei­tig ein­ge­legt wor­den war [2]. Dadurch, dass nun­mehr gemäß § 520 Abs. 2 Satz 1 ZPO nF die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist mit der Zustel­lung des in voll­stän­di­ger Form abge­fass­ten erst­in­stanz­li­chen Urteils beginnt, hat sich an der Pflicht des Rechts­an­walts, die Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen einer Beru­fung ins­ge­samt zu prü­fen, wenn ihm die Hand­ak­ten zur Fer­ti­gung der Beru­fungs­be­grün­dung vor­ge­legt wer­den, nichts geän­dert [3].

Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für die hier in Rede ste­hen­de Anfer­ti­gung einer Beschwer­de­be­grün­dung. Auch hier­für hat der Anwalt vor Abfas­sung der Begrün­dung den Inhalt sei­ner Hand­ak­te durch­zu­ar­bei­ten und ist daher in der Lage, den Zeit­punkt der Zustel­lung des Beschlus­ses, der mit der Beschwer­de ange­foch­ten wird, fest­zu­stel­len. Bei der wei­te­ren Durch­sicht der Akte kann er die – regel­mä­ßig kurz hin­ter der Durch­schrift der Beschwer­de­schrift abge­hef­te­te – Mit­tei­lung des Amts­ge­richts oder Beschwer­de­ge­richts über deren Ein­gang ohne wei­te­res in den Blick neh­men [4]. Im Übri­gen ergibt sich die Prü­fungs­pflicht des Anwalts auch dar­aus, dass er gehal­ten ist, sei­nen Man­dan­ten von der Durch­füh­rung eines aus­sichts­lo­sen Rechts­mit­tels abzu­ra­ten [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Dezem­ber 2013 – IX ZB 291/​11

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.05.1994 – XII ZB 57/​94, VersR 1995, 69, 70 ; vom 21.03.1990 – XII ZB 131/​89, VersR 1991, 119, 120 ; vom 16.10.2008 – III ZB 31/​08, NJW 2008, 3706 Rn. 8[]
  2. BGH, Beschluss vom 25.05.1994, aaO ; vom 16.10.2008, aaO[]
  3. BGH, Beschluss vom 16.10.2008, aaO Rn. 9[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 16.10.2008, aaO Rn. 10[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 18.04.1958 – IV ZB 44/​58, MDR 1958, 496, 497 ; Urteil vom 17.04.1986 – IX ZR 200/​85, BGHZ 97, 372, 376 ; vom 26.09.2013 – IX ZR 51/​13, WM 2014, 89 Rn. 11[]