Wenn der Prozessbevollmächtigte vom Rechtsmittel abrät

Die Beiord­nung eines pos­tu­la­tions­fähi­gen Recht­san­walts allein zu dem Zweck, das ein­gelegte Rechtsmit­tel ent­ge­gen dem Rat der bish­eri­gen Prozess­bevollmächtigten durchzuführen und hier­bei die rechtlichen Über­legun­gen der Partei zur Grund­lage eines Begrün­dungss­chrift­satzes zu machen, liefe dem Sinn und Zweck des Anwalt­szwangs zuwider, der darin beste­ht, die Recht­spflege durch eine leis­tungs­fähige Anwaltschaft zu stärken, die Recht­suchen­den kom­pe­tent zu berat­en und die Gerichte von unzuläs­si­gen oder aus­sicht­slosen Rechtsmit­teln zu ent­las­ten.

Wenn der Prozessbevollmächtigte vom Rechtsmittel abrät

Auch stünde eine solche Beiord­nung im Wider­spruch zur Eigen­ver­ant­wor­tung des Recht­san­walts1.

Scheit­ert mithin die Ein­re­ichung ein­er Nichtzu­las­sungs­beschw­erde­be­grün­dung daran, dass der ursprünglich beauf­tragte, pos­tu­la­tions­fähige Recht­san­walt nach Prü­fung der Sach- und Recht­slage nicht bere­it ist, den rechtlichen Über­legun­gen der Partei zu fol­gen und diese Über­legun­gen zur Grund­lage eines Begrün­dungss­chrift­satzes zu machen, recht­fer­tigt dies für sich genom­men nicht die Beiord­nung eines Notan­walts2.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 10. Okto­ber 2018 — IV ZR 161/18

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 15.11.2017 — IV ZR 131/17 5 m.w.N.; BGH, Beschlüsse vom 18.12 2012 — VIII ZR 239/12, NJW 2013, 1011 Rn. 4; vom 20.11.2012 — VIII ZR 175/12 2; vom 20.06.2006 — VI ZR 255/05, Ver­sR 2007, 132 Rn. 3; vom 22.11.1994 — XI ZR 96/94, NJW 1995, 537 []
  2. BGH, Beschluss vom 15.11.2017 aaO; BGH, Beschluss vom 22.11.1994 aaO []