Der gepfändete Kostenerstattungsanspruch — und das Beitreibungsrecht des PKH-Anwalts

Gemäß § 126 Abs. 1 ZPO sind die für die Partei bestell­ten Recht­san­wälte berechtigt, ihre Gebühren und Aus­la­gen von dem in die Prozesskosten verurteil­ten Geg­n­er im eige­nen Namen beizutreiben.

Der gepfändete Kostenerstattungsanspruch — und das Beitreibungsrecht des PKH-Anwalts

Wie der Bun­des­gericht­shof bere­its entsch­ieden hat1, räumt die Vorschrift dem beige­ord­neten Recht­san­walt ein selb­ständi­ges Beitrei­bungsrecht ähn­lich einem Über­weisungs­gläu­biger (§§ 835 f. ZPO) ein. Dem Recht­san­walt ist damit die Einziehung des Kosten­er­stat­tungsanspruchs sein­er Partei als Prozess­stand­schafter über­tra­gen2.

Gemäß § 126 Abs. 2 ZPO ist eine Einrede gegen den Anspruch aus der Per­son der Partei nicht zuläs­sig. Der Geg­n­er kann (nur) mit Kosten aufrech­nen, die nach der in dem­sel­ben Rechtsstre­it über die Kosten erlasse­nen Entschei­dung von der Partei zu erstat­ten sind.

Mit dieser Regelung sollen dem beige­ord­neten Recht­san­walt — über die Gebühren im Rah­men der Prozesskosten­hil­fe hin­aus — seine Vergü­tungsansprüche gesichert wer­den3. Der Auss­chluss von Einre­den aus der Per­son der Partei (sog. Ver­strick­ung) tritt deshalb bere­its mit der Entste­hung des Kosten­er­stat­tungsanspruchs ein4 und ist so lange gerecht­fer­tigt, wie der beige­ord­nete Recht­san­walt die Kosten­forderung noch im eige­nen Namen gel­tend machen kann. Uner­he­blich ist demge­genüber, ob der Recht­san­walt sein Beitrei­bungsrecht nach § 126 Abs. 1 ZPO im Zeit­punkt der Ein­wen­dung bere­its aus­geübt hat­te5.

Die von der Pfän­dungs­gläu­bigerin aus­ge­brachte Pfän­dung fällt auch unter den Begriff der “Einrede aus der Per­son der Partei”, die gemäß § 126 Abs. 2 ZPO nicht gegen den Anspruch erhoben wer­den kann.

Der Begriff der “Einre­den” umfasst in diesem Zusam­men­hang alle Ein­wen­dun­gen aus Rechts­beziehun­gen des Kostengläu­bigers, aus denen der Kosten­schuld­ner eine Vertei­di­gung gegen den Zahlungsanspruch her­leit­en kann, nicht nur Einre­den im recht­stech­nis­chen Sinne6. Hierunter fall­en etwa die Abtre­tung oder die Pfän­dung7.

Die Partei ist näm­lich im Falle der Beitrei­bung durch den Recht­san­walt gemäß § 126 ZPO nicht mehr berechtigter Zahlungsempfänger. Diese Ver­fü­gungs­beschränkung wirkt gemäß §§ 135, 136 BGB zugun­sten des Recht­san­walts; ihm gegenüber ist eine etwaige Erfül­lung der Kosten­schuld durch Leis­tung an die Partei unwirk­sam8. Der Kosten­schuld­ner wird dann von sein­er Zahlungspflicht allein durch Leis­tung an den berechtigten Recht­san­walt befre­it. Zwar ste­ht der Partei der Kosten­er­stat­tungsanspruch trotz des ihrem Recht­san­walt gemäß § 126 ZPO eingeräumten Beitrei­bungsrechts weit­er­hin zu9, weshalb er auch weit­er­hin der Forderungspfän­dung unter­liegt. Die Pfän­dung geht dem geset­zlichen Einziehungsrecht des Recht­san­walts jedoch auf­grund der durch § 126 Abs. 2 ZPO ange­ord­neten, bere­its mit dem Entste­hen des Anspruchs ein­tre­tenden Ver­strick­ungswirkung im Rang nach. Das eigene Einziehungsrecht des nachrangi­gen Voll­streck­ungs­gläu­bigers greift daher nur so weit, als ihm nicht das vor­rangige Einziehungsrecht des Recht­san­walts vorge­ht.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 11. Novem­ber 2015 — XII ZB 242/15

  1. BGHZ 5, 251, 253; BGH Beschluss vom 20.11.2012 — VI ZB 64/11, Fam­RZ 2013, 201 Rn. 8 []
  2. BGH, Beschluss vom 14.02.2007 — XII ZB 112/06, Fam­RZ 2007, 710 Rn. 11; BGH Beschluss vom 09.07.2009 — VII ZB 56/08, Fam­RZ 2009, 1577 Rn. 4 []
  3. BGH, Beschluss vom 14.02.2007 — XII ZB 112/06, Fam­RZ 2007, 710 Rn. 11 []
  4. OLG Schleswig Jur­Büro 1997, 368, 369; Musielak/Voit/Fischer ZPO 12. Aufl. § 126 Rn. 10; BeckOK ZPO/Kratz [Stand: 1.06.2015] § 126 Rn. 18 []
  5. BGH, Beschluss vom 14.02.2007 — XII ZB 112/06, Fam­RZ 2007, 710 Rn. 12 []
  6. Zöller/Geimer ZPO 30. Aufl. § 126 Rn. 14; Poller/Teubel/Steinberger Gesamtes Kosten­hil­fer­echt 2. Aufl. § 126 ZPO Rn.20 []
  7. vgl. Stein/Jonas/Bork ZPO 22. Aufl. § 126 Rn. 8 []
  8. vgl. für den Fall der Forderungsüber­weisung BGHZ 58, 25, 26 f. = NJW 1972, 428; BGHZ 82, 28, 31 = NJW 1982, 173, 174 []
  9. BGH, Beschluss vom 14.02.2007 — XII ZB 112/06, Fam­RZ 2007, 710 Rn. 11; BGH Beschluss vom 09.07.2009 — VII ZB 56/08, Fam­RZ 2009, 1577 Rn. 4 []