Akten­ein­sicht über das Anwalts­fach – und die Akten­ver­sen­dungs­pau­scha­le

Fal­len für die Ver­sen­dung von Akten kei­ne Aus­la­gen an Drit­te, son­dern nur jus­tizin­tern Per­so­nal- und Sach­kos­ten an, ist der Ansatz der Pau­scha­le nach Nr. 9003 KV GKG nicht gerecht­fer­tigt.

Akten­ein­sicht über das Anwalts­fach – und die Akten­ver­sen­dungs­pau­scha­le

Nach gefes­tig­ter und ein­hel­li­ger ober­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung fällt die Akten­ver­sen­dungs­pau­scha­le nach Nr. 9003 KV-GKG nicht an, wenn die Akten zur Gewäh­rung von Akten­ein­sicht mit einem regel­mä­ßig ver­keh­ren­den Dienst­wa­gen der Jus­tiz an das Gerichts­fach des Rechts­an­walts bei einem aus­wär­ti­gen Gericht über­sandt wer­den [1].

Hin­ge­gen fällt die Gebühr dann an, wenn die Akten­ver­sen­dung mit einem pri­va­ten exter­nen Dienst­leis­ter oder einem exter­nen Post­dienst­leis­ter erfolgt [2].

Nach der vor dem 2. Kos­ten­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz vom 23.07.2013 gel­ten­den Zif­fer 9003 KV-GKG a.F. wur­de die Pau­scha­le „für die Ver­sen­dung von Akten auf Antrag“ erho­ben. Ent­spre­chend die­ser wei­ten Fas­sung war strei­tig, ob mit der Pau­scha­le ledig­lich bare Sach­auf­wen­dun­gen der Jus­tiz für Trans­port und Ver­pa­ckung abge­gol­ten wer­den soll­te, oder ob auch der im Rah­men der Akten­ver­sen­dung ent­ste­hen­de Ser­vice­auf­wand der Jus­tiz­be­hör­den abge­deckt wer­den soll­te. Im Rah­men des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens hat die Bun­des­re­gie­rung zu ihrem Geset­zes­ent­wurf, nach dem statt der bis­he­ri­gen Pau­scha­le von 12 € eine sol­che von 15 € erho­ben wer­den soll­te, auf die Kos­ten­stei­ge­rung abge­stellt und dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Pau­scha­le neben den rei­nen Ver­sand­kos­ten auch die Per­so­nal- und Sach­kos­ten der Gerich­te mit abgel­te [3]. Wört­lich heißt es dort : „Mit der Ände­rung wird die Akten­ver­sen­dungs­pau­scha­le im Hin­blick auf die tat­säch­lich mit der Ver­sen­dung der Akten ver­bun­de­nen und erheb­lich gestie­ge­nen Kos­ten ange­ho­ben. Mit die­ser Pau­scha­le wer­den neben den rei­nen Ver­sand­kos­ten auch die Per­so­nal- und Sach­kos­ten der Gerich­te für die Prü­fung des Ein­sichts­rechts, das Her­aus­su­chen der Akte, die Ver­sen­dung und die Rück­lauf­kon­trol­le sowie der Kos­ten­ein­zug mit abge­gol­ten. Die­se Kos­ten sind seit der letz­ten Erhö­hung des Pau­schal­be­trags für die Akten­ver­sen­dung im Jah­re 2004 deut­lich gestie­gen. Er soll daher um 25 Pro­zent auf die Höhe der Min­dest­ge­bühr von 15 Euro ange­ho­ben wer­den.“

Inso­weit heißt es im dor­ti­gen Ent­wurf Nr. 9003 des KV zum GKG wei­ter­hin, dass die Pau­scha­le für „die Ver­sen­dung von Akten auf Antrag je Sen­dung“ erho­ben wer­den soll­te.

Die­sem offen­bar fis­ka­lisch moti­vier­ten Ansin­nen ist der Rechts­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges in sei­ner Stel­lung­nah­me zum Geset­zes­ent­wurf vom 12.10.2012 [4] jedoch ent­ge­gen­ge­tre­ten. Er war es, der ange­regt hat, den Geset­zes­text dahin zu fas­sen, dass mit Nr. 9003 KV-GKG eine „Pau­scha­le für die bei der Ver­sen­dung von Akten auf Antrag anfal­len­den Aus­la­gen“ erho­ben wer­den soll. [5]. In der Begrün­dung heißt es hier­zu :Durch die Ände­rung der For­mu­lie­rung soll – wie bei Arti­kel 1 (Teil 3 Haupt­ab­schnitt 1 Num­mer 31003 KV GNotKG E) – kla­rer zum Aus­druck kom­men, dass mit der Pau­scha­le der Ersatz barer Aus­la­gen gemeint ist.“

Mit die­sem Wort­laut ist das Gesetz ver­ab­schie­det wor­den, wes­halb davon aus­zu­ge­hen ist, dass der Gesetz­ge­ber das Gesetz auf der Grund­la­ge der Emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges ver­stan­den wis­sen woll­te. Danach soll­te die Pau­scha­le also nur dann erho­ben wer­den kön­nen, wenn der Jus­tiz „bare Aus­la­gen“ ent­stan­den sind.

Mit Recht hat das OLG Düs­sel­dorf her­aus­ge­ar­bei­tet, dass die Inten­ti­on des Rechts­aus­schus­ses, etwas „kla­rer“ zum Aus­druck zu brin­gen, was mit den Aus­la­gen für Trans­port und Ver­pa­ckung gemeint sei, durch die von ihm gewähl­te For­mu­lie­rung „bare Aus­la­gen“ in der Begrün­dung eher zur Ver­wir­rung bei­getra­gen habe. Tat­säch­lich gehe es ersicht­lich nicht dar­um, nur und aus­schließ­lich die­je­ni­gen Kos­ten für Ver­sen­dung und Ver­pa­ckung zu erstat­ten, die von einem Jus­tiz­be­diens­te­ten mit „Bar­geld“ anläss­lich der kon­kre­ten Ver­sen­dung ver­aus­lagt wur­den, denn auch der Jus­tiz­be­trieb habe sich der Ent­wick­lung auf dem Ban­ken­sek­tor ange­passt und bedie­ne sich über­wie­gend des viel siche­ren bar­geld­lo­sen Zah­lungs­ver­kehrs. Weil es sich bei dem Geset­zes­ent­wurf um einen sol­chen zur Moder­ni­sie­rung des Kos­ten­rechts han­de­le, sei des­halb aus­zu­schlie­ßen, dass die Jus­tiz­be­hör­den vom Gesetz­ge­ber dazu gezwun­gen wer­den soll­ten, ihren Anspruch auf Erstat­tung durch Fest­hal­ten an eher anti­quier­ten Zah­lungs­me­tho­den zu sichern. Die Neu­for­mu­lie­rung des Aus­la­ge­tat­be­stan­des, der kei­nen Hin­weis auf „Bares“ ent­hal­te, las­se folg­lich nur die Aus­le­gung zu, dass die Absicht der Bun­des­re­gie­rung, durch die Pau­scha­le ande­re Kos­ten als die rei­nen Ver­sand- und Ver­pa­ckungs­kos­ten, die in Form von eige­nen Per­so­nal- und Sach­kos­ten den Jus­tiz­be­hör­den ent­ste­hen, abzu­de­cken, ver­hin­dert wer­den soll­te. Trans­port­leis­tun­gen, die durch eige­ne Jus­tiz­kräf­te mit eige­nen Sach­mit­teln erfol­gen, wür­den des­halb von Nr. 9003 nicht erfasst. Vor­aus­set­zung für eine Erstat­tung sei viel­mehr eine zusätz­li­che – bare oder unba­re – Geld­leis­tung, die mit dem Akten­trans­port in Zusam­men­hang steht und des­halb „ver­aus­lagt“ sei [6].

Die­ser Auf­fas­sung tritt das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le bei. Soweit der Gesetz­ge­ber aus­drück­lich auf bare Auf­wen­dun­gen abstellt, kann dar­un­ter nicht nur vom Wort­laut, son­dern auch vom Ver­ständ­nis des Anlie­gens im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren her aus­ge­schlos­sen wer­den, dass der Gesetz­ge­ber gemeint haben könn­te, die Pau­scha­le sol­le rein jus­tizin­ter­ne und ohne­hin anfal­len­de Kos­ten abde­cken.

Für die Fra­ge der Erhe­bung der Pau­scha­le nach Nr. 9003 KV-GKG ist daher zwi­schen den jus­tizin­ter­nen Per­so­nal- und Sach­kos­ten einer­seits und baren Aus­la­gen, die die Jus­tiz geson­dert an Drit­te zu erbrin­gen hat, zu dif­fe­ren­zie­ren. Fal­len nur jus­tizin­ter­ne Per­so­nal- und Sach­kos­ten an, kann die Pau­scha­le nach Nr. 9003 KV-GKG nicht erho­ben wer­den.

Gemes­sen dar­an hat die Lan­des­kas­se vor­lie­gend nicht dar­ge­tan, dass die Vor­aus­set­zun­gen für die Erhe­bung einer Aus­la­gen­pau­scha­le nach Nr. 9003 KV-GKG im Streit­fall gege­ben sind. Auf wel­cher tat­säch­li­chen Grund­la­ge das Land­ge­richt gemeint hat, sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de zu legen, durch die Über­sen­dung der Akte von der Geschäfts­stel­le des Land­ge­richts Lüne­burg an das Gerichts­fach des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Beklag­ten beim Amts­ge­richt Dan­nen­berg sei­en dem Land Nie­der­sach­sen durch die Ver­pa­ckung und durch den Trans­port der Akten tat­säch­lich bare Auf­wen­dun­gen ent­stan­den, erschließt sich nicht. Der­ar­ti­ges ergibt sich weder aus der Akte noch aus der Stel­lung­nah­me des Bezirks­re­vi­sors. Die­ser konn­te selbst nicht ange­ben, wie die Akte zur Akten­ein­sicht an das Amts­ge­richt Dan­nen­berg gelangt ist. Er geht davon aus, dass die Akte ent­we­der mit dem Dienst­wa­gen oder mit der Sam­mel­post ver­sen­det wor­den ist, wobei unklar und nicht dar­ge­tan ist, was unter einer „Sam­mel­post“ zu ver­ste­hen ist. Ist die Akte mit dem Dienst­wa­gen im Rah­men täg­li­cher Fahr­ten vom und zum Amts­ge­richt Dan­nen­berg trans­por­tiert wor­den, wie dies jeden­falls der Fall war, als der Bericht­erstat­ter noch beim Land­ge­richt Lüne­burg tätig war, ist die Ansicht des Bezirks­re­vi­sors nicht nach­voll­zieh­bar, auch in die­sem Fall sei­en „bare Auf­wen­dun­gen ent­stan­den, die aus dem Jus­tiz­haus­halt bezahlt wer­den müs­sen“. Offen bleibt näm­lich, wel­che das sein sol­len. Wenn ein Jus­tiz­be­diens­te­ter mit dem Dienst­wa­gen täg­lich ohne­hin die Stre­cke für die Post vom und zum Amts­ge­richt Dan­nen­berg fährt, fal­len über­haupt kei­ne geson­der­ten Kos­ten dadurch an, dass die­se Akte mit gefah­ren wor­den ist. Soweit der Bezirks­re­vi­sor pau­schal behaup­tet, auch für die Ver­pa­ckung sei­en bare Auf­wen­dun­gen ange­fal­len, erschließt sich auch das nicht. Übli­cher­wei­se wer­den sol­che Akten bei einer Ver­sen­dung für ein Akten­ein­sichts­ge­such über das Fach eines Rechts­an­walts bei einem Amts­ge­richt durch die Jus­tiz selbst nicht ver­packt. Ein Grund dafür, war­um dies im Streit­fall anders gewe­sen sein soll­te, ist weder dar­ge­tan noch ersicht­lich.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 16. Febru­ar 2016 – 2 W 32/​16

  1. vgl. OLG Nürn­berg, Beschluss vom 23.11.2015 – 2 Ausl AR 16/​15 ; OLG Köln, Beschluss vom 23.01.2015 – 14 WF 163/​14, NJW-RR 2015, 1342 ; OLG Köln, Beschluss vom 16.10.2014 – 2 Ws 601/​14, Stra­Fo 2015, 40 ; OLG OLG Koblenz, Beschluss vom 20.03.2014 – 2 Ws 134/​14, Jur­Bü­ro 2014, 379 ; vgl. auch Bur­hoff, StRR 2015, 479[]
  2. vgl. OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 14.10.2015 – 1 Ws 164/​15 ; OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 27.08.2015 – 4 Ws 117/​15, AGS 2015, 572 ; OLG Bam­berg, Beschluss vom 05.03.2015 – 1 Ws 87/​15, AGS 2015, 278 ; OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 14.10.2015 – 1 Ws 164/​15, Jur­Bü­ro 2016, 31 ; OLG Köln 2. Straf­se­nat, Beschluss vom 07.07.2015 – 2 Ws 394/​15[]
  3. BT-Drs. 17/​11471 S. 314[]
  4. vgl. BT-Drs. 17/​11471, S. 314[]
  5. BT-Drs. 17/​13537, S.191, 268[]
  6. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 27.08.2015 – 4 Ws 117/​15, AGS 2015, 572 Rdnr. 13[]