Verzugszinsen auf die vorgerichtlichen Anwaltskosten

22. Januar 2018 | Rechtanwaltsvergütung
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Auf einen von einer Klägerin geltend gemachten Befreiungsanspruch wegen ihrer vorgerichtlichen Anwaltskosten findet § 288 Abs. 1 Satz 1 BGB weder unmittelbare noch entsprechende Anwendung1.

Gesetzliche Zinsen auf die vorgerichtlichen Anwaltskosten der Klägerin können im Falle eines Freistellungsanspruchs daher nicht zuerkannt werden.

Es kann dahinstehen, unter welchen Voraussetzungen die Klägerin statt der Freistellung Zahlung an sich hätte verlangen können und ob § 288 Abs. 1 Satz 1 BGB in allen Fällen anzuwenden wäre, in denen ein nach §§ 280, 286 BGB begründeter Befreiungsanspruch in einen Zahlungsanspruch übergegangen ist. Anders als etwa in dem der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 09.07.20152 zugrundeliegenden Sachverhalt hat die Klägerin nicht auf Zahlung angetragen. Der Klageantrag, dessen Auslegung als Prozesshandlung vollen Umfangs der revisionsrechtlichen Nachprüfung unterliegt3, richtet sich allein auf Freistellung von den vorgerichtlichen Anwaltskosten.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 12. Oktober 2017 – IX ZR 267/16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 29.06.1994 – IV ZR 229/93, NJW-RR 1994, 1302, 1303; OLG Stuttgart, Urteil vom 04.10.2010 – 5 U 60/10, NJW-RR 2011, 239; Staudinger/Löwisch/Feldmann, aaO, § 288 Rn. 8;BeckOGK/Dornis, 2017, BGB § 288 Rn. 32; Palandt/Grüneberg, aaO, § 288 Rn. 6 []
  2. I ZR 224/13, NJW-RR 2016, 155 Rn. 34 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 12.12 2014 – V ZR 53/14, NJW-RR 2015, 583 Rn. 8; vom 18.12 2015 – V ZR 160/14, NJW 2016, 863 Rn. 8; vom 04.10.2007 – I ZR 143/04, NJW 2008, 1384 Rn. 11 je mwN; BeckOK-ZPO/Bacher, 2017, § 253 Rn. 58 []

 

 

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