Verzugszinsen auf die vorgerichtlichen Anwaltskosten

Auf einen von ein­er Klägerin gel­tend gemacht­en Befreiungsanspruch wegen ihrer vorg­erichtlichen Anwalt­skosten find­et § 288 Abs. 1 Satz 1 BGB wed­er unmit­tel­bare noch entsprechende Anwen­dung1.

Verzugszinsen auf die vorgerichtlichen Anwaltskosten

Geset­zliche Zin­sen auf die vorg­erichtlichen Anwalt­skosten der Klägerin kön­nen im Falle eines Freis­tel­lungsanspruchs daher nicht zuerkan­nt wer­den.

Es kann dahin­ste­hen, unter welchen Voraus­set­zun­gen die Klägerin statt der Freis­tel­lung Zahlung an sich hätte ver­lan­gen kön­nen und ob § 288 Abs. 1 Satz 1 BGB in allen Fällen anzuwen­den wäre, in denen ein nach §§ 280, 286 BGB begrün­de­ter Befreiungsanspruch in einen Zahlungsanspruch überge­gan­gen ist. Anders als etwa in dem der Entschei­dung des Bun­des­gericht­shofs vom 09.07.20152 zugrun­deliegen­den Sachver­halt hat die Klägerin nicht auf Zahlung ange­tra­gen. Der Klageantrag, dessen Ausle­gung als Prozesshand­lung vollen Umfangs der revi­sion­srechtlichen Nach­prü­fung unter­liegt3, richtet sich allein auf Freis­tel­lung von den vorg­erichtlichen Anwalt­skosten.

Bun­des­gericht­shof, Urteil vom 12. Okto­ber 2017 — IX ZR 267/16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 29.06.1994 — IV ZR 229/93, NJW-RR 1994, 1302, 1303; OLG Stuttgart, Urteil vom 04.10.2010 — 5 U 60/10, NJW-RR 2011, 239; Staudinger/Löwisch/Feldmann, aaO, § 288 Rn. 8;BeckOGK/Dornis, 2017, BGB § 288 Rn. 32; Palandt/Grüneberg, aaO, § 288 Rn. 6 []
  2. I ZR 224/13, NJW-RR 2016, 155 Rn. 34 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 12.12 2014 — V ZR 53/14, NJW-RR 2015, 583 Rn. 8; vom 18.12 2015 — V ZR 160/14, NJW 2016, 863 Rn. 8; vom 04.10.2007 — I ZR 143/04, NJW 2008, 1384 Rn. 11 je mwN; BeckOK-ZPO/Bach­er, 2017, § 253 Rn. 58 []