Ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Über­ra­schungs­ent­schei­dun­gen – oder : Fort­bil­dung tut not

Die mit dem Anspruch auf ein fai­res Ver­fah­ren und auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG, § 108 Abs. 2 VwGO) ver­bun­de­nen Ver­fah­rens­ga­ran­tien gebie­ten es, dass Ver­fah­rens­be­tei­lig­te bei Anwen­dung der von ihnen zu ver­lan­gen­den Sorg­falt zu erken­nen ver­mö­gen, auf wel­chen Tat­sa­chen­vor­trag es für die Ent­schei­dung ankom­men kann.

Ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Über­ra­schungs­ent­schei­dun­gen – oder : Fort­bil­dung tut not

Zwar ergibt sich aus Art. 103 Abs. 1 GG kei­ne all­ge­mei­ne Fra­ge- und Auf­klä­rungs­pflicht des Gerichts. Ein Gericht ver­stößt aber dann gegen den Anspruch auf recht­li­ches Gehör und gegen das Gebot eines fai­ren Ver­fah­rens, wenn es ohne vor­he­ri­gen Hin­weis auf recht­li­che Gesichts­punk­te abstellt, mit denen auch gewis­sen­haf­te und kun­di­ge Pro­zess­be­tei­lig­te nach dem bis­he­ri­gen Pro­zess­ver­lauf nicht zu rech­nen brauch­ten [1].

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht erfüllt, wenn ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter den vom Gericht ein­ge­nom­me­nen Rechts­stand­punkt auf­grund der Behand­lung der Rechts­fra­ge in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung sowie im ver­wal­tungs­recht­li­chen Schrif­tum – auch ohne recht­li­chen Hin­weis – zumin­dest als mög­lich hät­te in Erwä­gung zie­hen müs­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 11. April 2016 – 2 B 92.15

  1. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 29.05.1991 – 1 BvR 1383/​90, BVerfGE 84, 188, 190 ; vom 19.05.1992 – 1 BvR 986/​91, BVerfGE 86, 133, 144 f.; und vom 25.04.2015 – 1 BvR 2314/​12NJW 2015, 1867 Rn.20[]