Der niederländische Belastingadviseur als Prozessbevollmächtigter

Ein in den Nieder­lan­den ansäs­siger “Belastin­gad­viseur” als Prozess­bevollmächtigter zurück­zuweisen, wenn er in Deutsch­land mehr als nur vorüberge­hend geschäftsmäßige Hil­fe in Steuer­sachen leis­tet.

Der niederländische Belastingadviseur als Prozessbevollmächtigter

Seit dem grundle­gen­den Beschluss des Bun­des­fi­nanzhofs vom 21.08.20081 ist ‑wie auch schon zuvor in Bezug auf die durch Art. 1 Nr. 3 des Acht­en Geset­zes zur Änderung des Steuer­ber­atungs­ge­set­zes vom 08.04.20082 m.W.z. 12.04.2008 in § 3a StBerG über­führte Regelung des früheren § 3 Nr. 4 StBerG- in der höch­strichter­lichen Finanzrecht­sprechung anerkan­nt, dass ein in den Nieder­lan­den ansäs­siger “Belastin­gad­viseur” als Prozess­bevollmächtigter zurück­zuweisen ist, wenn er ent­ge­gen § 3a Abs. 1 Sätze 1 und 5 StBerG bzw. Art. 5 Abs. 2 der Richtlin­ie 2005/36/EG im Inland mehr als nur vorüberge­hend geschäftsmäßige Hil­fe in Steuer­sachen leis­tet3. In einem solchen Fall liegt eine “unbefugte” Hil­feleis­tung in Steuer­sachen i.S. von §§ 5 Abs. 1 Satz 1, 160 Abs. 1 StBerG vor, die unzweifel­haft von § 62 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 1 FGO erfasst wird4.

Diese ständi­ge Recht­sprechung der nationalen Fachgerichts­barkeit ist, wie der Bun­des­fi­nanzhof erst­mals im Beschluss vom 26.09.20075 zu § 3 Nr. 4 StBerG fest­gestellt hat, europa- bzw. union­srecht­skon­form. Davon wollte der Bun­des­fi­nanzhof im Vor­lagebeschluss in BFHE 246, 278, BSt­Bl II 2014, 907 ‑ersichtlich- nicht abwe­ichen. Auch der Gericht­shof der Europäis­chen Union hat in dem von den Klägern nicht mehr weit­er kom­men­tierten Urteil X‑Steuerberatungsgesellschaft6 erneut bekräftigt, dass die Mit­gliedsstaat­en man­gels Har­mon­isierung der Bedin­gun­gen des Zugangs zur Tätigkeit der geschäftsmäßi­gen Hil­feleis­tung in Steuer­sachen auf Union­sebene nach wie vor befugt sind, die dafür gel­tenden Voraus­set­zun­gen selb­st festzule­gen. Die anschließen­den Aus­führun­gen des EuGH zu Art. 56 AEUV beziehen sich auss­chließlich auf die dort zu beurteilende Kon­stel­la­tion ein­er insti­tu­tion­al­isierten gren­züber­schre­i­t­en­den Steuer­ber­atung ohne physis­chen Gren­züber­tritt durch die für die Steuer­ber­atungs­ge­sellschaft han­del­nden natür­lichen Per­so­n­en. Nur in diesem Fall stellt sich die ‑vom Bun­des­fi­nanzhof im Ver­fahren II R 44/12 zu klärende- Frage, ob bzw. unter welchen Voraus­set­zun­gen § 3a StBerG zur Anwen­dung kom­men kann, wenn sich der Dien­stleis­tende physisch nicht in den Auf­nah­memit­gliedsstaat beg­ibt7. Ein solch­er Fall liegt hier jedoch nicht vor.

Ob eine Dien­stleis­tung im Einzelfall nur vorüberge­hen­den Charak­ter i.S. von § 3a Abs. 1 Sätze 1 und 5 StBerG hat, erfordert eine Würdi­gung der tat­säch­lichen Ver­hält­nisse, die in erster Lin­ie dem Tatrichter obliegt und revi­sion­srechtlich nur eingeschränkt ‑näm­lich hin­sichtlich eines Ver­stoßes gegen die Denkge­set­ze oder all­ge­meine Erfahrungssätze sowie gegen Ver­fahren­srecht- über­prüft wer­den kann8.

Bun­des­fi­nanzhof, Beschluss vom 14. März 2016 — X B 101/14

  1. BFH, Beschluss vom 21.08.2008 — VIII B 70/08, DStR 2008, 2440 []
  2. BGBl I 2008, 666 []
  3. vgl. BFH, Beschlüsse vom 11.02.2003 — VII B 330/02, — VII S 41/02, BFHE 201, 483, BSt­Bl II 2003, 422, unter II. 1.b; vom 08.03.2007 — IX B 240/06, BFH/NV 2007, 1195; vom 09.07.2007 — I B 70/07, BFH/NV 2007, 2357; vom 26.09.2007 — IX B 31/07, jew­eils zu § 3 Nr. 4 StBerG; s. auch BFH, Beschlüsse vom 15.10.2003 — X B 82/03, BFH/NV 2004, 671, unter II. 2.; vom 13.11.2008 — X B 82/08, Zeitschrift für Steuern & Recht 2009, R214, unter II. 2. und 3., jew­eils zu § 3 Nr. 4 StBerG; und vom 13.11.2008 — X B 105/08, BFH/NV 2009, 415, unter II. 2., zu § 3a StBerG []
  4. vgl. nur Spindler in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 62 FGO Rz 61 []
  5. BFH, Beschluss vom 26.09.2007 — IX B 31/07 []
  6. EuGH, EU:C:2015:827, Rz 44–46, BB 2016, 36 []
  7. vgl. EuGH, Urteil X‑Steuerberatungsgesellschaft, EU:C:2015:827, Rz 51–60, BB 2016, 36 []
  8. vgl. erneut BFH, Beschluss vom 26.09.2007 — IX B 31/07, n.v. []