Bei­ord­nung eines Not­an­walts – nach der Man­dats­nie­der­le­gung des frü­he­ren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten

Nach § 78b ZPO kann einer Par­tei ein Rechts­an­walt bei­geord­net wer­den, wenn sie einen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt nicht fin­det und die Rechts­ver­fol­gung nicht mut­wil­lig oder aus­sichts­los erscheint.

Bei­ord­nung eines Not­an­walts – nach der Man­dats­nie­der­le­gung des frü­he­ren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten

Hat die Par­tei – wie hier – zunächst einen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt gefun­den und man­da­tiert, kommt im Fall einer spä­te­ren Man­dats­nie­der­le­gung die Bestel­lung eines Not­an­walts nur in Betracht, wenn sie die Been­di­gung des Man­dats nicht zu ver­tre­ten hat [1].

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist die Man­dats­be­en­di­gung jeden­falls dann durch die Par­tei zu ver­tre­ten, wenn die­se auf schrift­sätz­li­chen Aus­füh­run­gen besteht, die für die Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts offen­kun­dig ohne Bedeu­tung sind.

Dann könn­te ein bei dem Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­ner Rechts­an­walt näm­lich sogleich sei­ne Ent­pflich­tung aus wich­ti­gem Grund (§ 48 Abs. 2 BRAO) ver­lan­gen, weil ihm die Auf­nah­me evi­dent uner­heb­li­cher Aus­füh­run­gen nicht zuzu­mu­ten ist [2].

Um einen sol­chen Fall han­delt es sich hier :

Gegen­stand des Revi­si­ons­ver­fah­rens sind der von dem Klä­ger gel­tend gemach­te Rück­zah­lungs­an­spruch und der Anspruch auf Her­aus­ga­be der voll­streck­ba­ren Titel. Inso­weit hat der Klä­ger in zwei­ter Instanz obsiegt ; dage­gen wen­det sich die Beklag­te mit der Revi­si­on. Die von dem Klä­ger genann­ten Gesichts­punk­te, die er über die bereits vor­lie­gen­de Revi­si­ons­er­wi­de­rung hin­aus durch einen bei dem Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt vor­tra­gen las­sen möch­te, sind offen­kun­dig nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Soweit der Klä­ger zu dem auf das Ver­fah­ren vor dem Amts­ge­richt Mün­chen bezo­ge­nen Teil sei­nes Rück­zah­lungs­an­spruchs ergän­zend Stel­lung neh­men möch­te, hat der Bun­des­ge­richts­hof sei­ne dar­auf bezo­ge­nen Aus­füh­run­gen geprüft ; die­se sind recht­lich teils uner­heb­lich, teils unzu­tref­fend, wes­halb sich der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers zu Recht gewei­gert hat, einen ent­spre­chen­den Schrift­satz zu ver­fas­sen. Eine (hilfs­wei­se) Berück­sich­ti­gung der durch das Beru­fungs­ge­richt ver­nein­ten Scha­dens­er­satz­an­sprü­che kommt nicht in Betracht. Erst recht schei­det die Ein­be­zie­hung wei­te­rer Ansprü­che aus, die Gegen­stand ande­rer Gerichts­ver­fah­ren sind. Die behaup­te­ten Ver­fah­rens­män­gel, deren Klä­rung der Klä­ger errei­chen möch­te [3], betref­fen nicht das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren.

Infol­ge­des­sen bestand im hier ent­schie­de­nen Fall auch kein Grund für eine Ver­län­ge­rung der Schrift­satz­frist. Eine Ver­le­gung des Ver­kün­dungs­ter­mins kam eben­falls nicht in Betracht, weil es an einem erheb­li­chen Grund i.S.v. § 227 ZPO fehl­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Juli 2020 – V ZR 178/​19

  1. BGH, Beschluss vom 12.03.2014 – V ZR 253/​13 1 ; BGH, Beschluss vom 18.12.2013 – III ZR 122/​13, WM 2014, 425 Rn. 9 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 16.09.2015 – V ZR 292/​14[]
  3. vgl. dazu bereits BGH, Beschluss vom 04.04.2019 – V ZB 108/​18, MDR 2019, 757 f.[]