Anwaltsregreß – und die Aufrechnung mit den Anwaltsgebühren

Grundsätzlich kann ein Rechtsanwalt trotz Schlechterfüllung eines Anwaltsdienstvertrages die ihm geschuldeten Gebühren verlangen. Insofern kann der Auftraggeber den aus dem Anwaltsdienstvertrag (§§ 611, 675 BGB) herrührenden anwaltlichen Vergütungsanspruch nicht kraft Gesetzes wegen mangelhafter Dienstleistung kürzen1.

Anwaltsregreß – und die Aufrechnung mit den Anwaltsgebühren

Eine Minderung der vereinbarten Vergütung wie im Fall des § 634 BGB ist bei einem Dienstvertrag ausgeschlossen2.

Allerdings kann die Verpflichtung des Auftraggebers zur Zahlung der Gebühren entfallen, wenn die Belastung mit der Honorarverbindlichkeit Bestandteil des aus einer anwaltlichen Vertragsverletzung resultierenden Schadens ist3.

Dies ist etwa dann der Fall, wenn der Rechtsanwalt schuldhaft einen möglichen prozessualen Kostenerstattungsanspruch seiner Mandantin gegen die Gegenpartei vereitelt hat.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 24. September 2015 – IX ZR 206/14

  1. BGH, Urteil vom 15.07.2004 – IX ZR 256/03, NJW 2004, 2817; vom 04.02.2010 – IX ZR 18/09, BGHZ 184, 209 Rn. 55; D. Fischer in: Zugehör/G. Fischer/Vill/D. Fischer/Rinkler/Chab, Handbuch der Anwaltshaftung, 3. Aufl., Rn. 1000 []
  2. BGH, Urteil vom 04.02.2010, aaO; D. Fischer, aaO []
  3. BGH, Urteil vom 04.02.2010, aaO Rn. 56; D. Fischer, aaO []