Nota­ri­el­le Beglau­bi­gung – und der Streit um ihre Rich­tig­keit

Der vom Notar ange­fer­tig­te Beglau­bi­gungs­ver­merk („Dass vor­ste­hen­de Abschrift, die mit der Urschrift, die mir vor­ge­le­gen hat, wört­lich über­ein­stimmt, beglau­bi­ge ich hier­mit nota­ri­ell“) erbringt als öffent­li­che Urkun­de im Sin­ne des § 418 Abs. 1 ZPO grund­sätz­lich Beweis auch dafür, dass die Urschrift vor­ge­le­gen hat.

Nota­ri­el­le Beglau­bi­gung – und der Streit um ihre Rich­tig­keit

Hier­ge­gen ist gemäß § 418 Abs. 2 ZPO der Beweis der Unrich­tig­keit der bezeug­ten Tat­sa­chen zuläs­sig, wobei der zu füh­ren­de Gegen­be­weis die vol­le Über­zeu­gung des Gerichts erfor­dert. Blo­ße Zwei­fel an der Rich­tig­keit der urkund­li­chen Fest­stel­lun­gen genü­gen nicht [1].

Für die Fra­ge, ob der Beweis der Unrich­tig­keit geführt ist, bedarf es einer umfas­sen­den Wür­di­gung, wobei die Beweis­kraft der Urkun­de und die­je­ni­ge der Gegen­be­weis­mit­tel gegen­ein­an­der abzu­wä­gen sind. Erfor­der­lich ist eine inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit den Gegen­be­weis­mit­teln und der von ihnen aus­ge­hen­den Über­zeu­gungs­kraft [2].

Da die Beweis­wür­di­gung grund­sätz­lich Sache des Tatrich­ters ist, wird sie vom Revi­si­ons­ge­richt nur ein­ge­schränkt dahin über­prüft, ob sich der Tatrich­ter mit dem Pro­zess­stoff und den Beweis­ergeb­nis­sen umfas­send und wider­spruchs­frei aus­ein­an­der­ge­setzt hat, die Beweis­wür­di­gung also voll­stän­dig und recht­lich mög­lich ist und nicht gegen Denk­ge­set­ze- oder Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt [3].

Auch aus der Nicht­be­ach­tung von § 8 Abs. 1 Nr. 6 und § 18 Abs. 1 Satz 2 DONot, d.h. der Nicht­ver­ga­be einer UR.Nr. für die Beglau­bi­gung, kann nicht auf das Nicht­vor­lie­gen des Ori­gi­nals des Anwalts­ver­gleichs geschlos­sen wer­den. Die Ver­let­zung von Bestim­mun­gen über die Ein­tra­gung von Amts­ge­schäf­ten in die Urkun­den­rol­le bezie­hungs­wei­se die spä­te­re Auf­be­wah­rung von Urkun­den stellt weder die Wirk­sam­keit der Amts­hand­lung in Fra­ge noch besagt sie (zwin­gend), dass Urkun­den zur Zeit der Amts­hand­lung im Ori­gi­nal nicht vor­ge­le­gen haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. August 2020 – III ZR 160/​19

Notarielle Beglaubigung - und der Streit um ihre Richtigkeit
  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 29.09.2010 – XII ZR 41/​09, NJW 2011, 778 Rn. 21 ; und vom 31.05.2017 – VIII ZR 224/​16, NJW 2017, 2285 Rn. 18 ; Zöller/​Feskorn, ZPO, 33. Aufl., § 418 Rn. 4 ; jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 05.10.2000 – X ZB 13/​00, NJW-RR 2001, 571[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 12.06.2014 – III ZR 245/​13, Beck­RS 2014, 13313 Rn. 10 ; und vom 12.12.2019 – III ZR 198/​18, NJW 2020, 776 Rn. 12 ; BGH, Urteil vom 30.10.2007 – VI ZR 132/​06, NJW 2008, 571 Rn. 8 ; jeweils mwN[]