Nicht­zah­lung einer Geld­bu­ße und das Berufs­recht

Die Nicht­be­zah­lung einer wegen einer Berufs­pflicht­ver­let­zung ver­häng­ten Geld­bu­ße begrün­det regel­mä­ßig kei­ne geson­dert zu ahn­den­de Berufs­pflicht­ver­let­zung. Der Grund­satz der ein­heit­li­chen Pflicht­ver­let­zung im berufs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gebie­tet die Ein­be­zie­hung erkenn­bar sach­lich und zeit­lich zusam­men­hän­gen­der Pflicht­ver­let­zun­gen in ein gericht­li­ches Ver­fah­ren. Nach berufs­ge­richt­li­cher Ver­ur­tei­lung hin­dert dies die spä­te­re Ahn­dung so zusam­men­hän­gen­der Pflicht­ver­let­zun­gen in einem neu­en Ver­fah­ren.

Nicht­zah­lung einer Geld­bu­ße und das Berufs­recht

Die Geld­bu­ße hat Ahn­dungs­cha­rak­ter ; ihre Voll­stre­ckung ist – wor­auf das Kam­mer­ge­richt zutref­fend hin­ge­wie­sen hat – aus­drück­lich gere­gelt. Nach § 126 Abs. 2 i.V.m. § 127 WPO erfolgt sie nach den Vor­schrif­ten der Straf­pro­zess­ord­nung (§§ 449, 459 StPO). Anders als bei Berufs­pflich­ten endet die Zah­lungs­pflicht – wie es in § 126 Abs. 2 Satz 1 WPO aus­drück­lich bestimmt ist – auch nicht dadurch, dass der Berufs­an­ge­hö­ri­ge aus dem Beruf aus­schei­det. Dies ver­deut­licht den aus­schließ­lich ahn­den­den Cha­rak­ter der Geld­bu­ße. Die Geld­bu­ße begrün­det dem­nach kei­ne eigen­stän­di­ge beruf­li­che Pflicht, son­dern sie ist die Sank­ti­on, die auf eine Ver­let­zung beruf­li­cher Pflich­ten folgt [1]. Das bedeu­tet, dass die Nicht­be­fol­gung des Zah­lungs­ge­bots aus einer berufs­ge­richt­lich ver­häng­ten Geld­bu­ße nicht zugleich als Berufs­pflicht­ver­let­zung geahn­det wer­den kann. Die der berufs­ge­richt­li­chen Sank­tio­nie­rung unter­lie­gen­den Pflicht­ver­stö­ße müs­sen dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestimmt­heits­er­for­der­nis nach Art. 103 Abs. 2 GG genü­gen [2].

Es kommt maß­geb­lich hin­zu, dass es dem deut­schen Straf- und Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht grund­sätz­lich fremd ist, die Nicht­er­fül­lung einer straf- oder buß­geld­recht­li­chen Ver­ur­tei­lung wie­der­um als Straf­tat oder Ord­nungs­wid­rig­keit zu ver­fol­gen. Ledig­lich bei Sank­tio­nen, die nicht im eigent­li­chen Sin­ne voll­streckt wer­den kön­nen, sind Aus­nah­men vor­ge­se­hen (etwa § 21 StVG für das straf- und buß­geld­recht­li­che Fahr­ver­bot). Ähn­lich liegt es bei der auch vom Kam­mer­ge­richt in der Begrün­dung her­aus­ge­stell­ten Vor­schrift des § 117 WPO betref­fend Ver­stö­ße gegen vor­läu­fi­ge Berufs- und Tätig­keits­ver­bo­te. Sonst beschrän­ken sich die Sank­tio­nen einer Nicht­be­fol­gung hin­ge­gen auf die Instru­men­ta­ri­en, die die voll­stre­ckungs­recht­li­chen Rege­lun­gen vor­se­hen. Es liegt nahe, dass der Gesetz­ge­ber, hät­te er für die nicht voll­stän­di­ge Bezah­lung von Geld­bu­ßen aus berufs­ge­richt­li­chen Urtei­len über die blo­ßen voll­stre­ckungs­recht­li­chen Fol­gen hin­aus die Schaf­fung eines eigen­stän­di­gen und sank­ti­ons­be­wehr­ten Pflicht­ver­sto­ßes begrün­den wol­len, dies aus­drück­lich hät­te regeln müs­sen. Dar­an fehlt es hier.

Der Bun­des­ge­richts­hof kann dahin­ste­hen las­sen, ob die Nicht­zah­lung der Geld­bu­ße über­haupt geeig­net wäre, das Anse­hen des Stan­des zu beschä­di­gen, und aus die­sem Grun­de eine Pflicht­ver­let­zung dar­stellt [3]. Denn der Rege­lungs­zu­sam­men­hang und die hier­in lie­gen­de Beschrän­kung auf die Voll­stre­ckung der Geld­bu­ße sind abschlie­ßend und ste­hen einem Rekurs auf die – dann allein in Betracht kom­men­de – Gene­ral­klau­sel des § 43 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. § 67 Abs. 1 oder 2 WPO wegen schuld­haf­ter, dem Anse­hen des Berufs­stan­des zuwi­der­lau­fen­der Nicht­er­fül­lung fäl­li­ger For­de­run­gen ent­ge­gen. Das gilt jeden­falls dann, wenn es an – hier selbst bei Nicht­ein­hal­tung von Teil­zah­lungs­zu­sa­gen nicht ersicht­li­chen – gra­vie­ren­den Beson­der­hei­ten fehlt. Der Bun­des­ge­richts­hof weist im Übri­gen dar­auf hin, dass bei der Erfül­lung und Voll­stre­ckung von For­de­run­gen auf­tre­ten­de Pro­ble­me eines Berufs­an­ge­hö­ri­gen regel­mä­ßig nicht Anlass zu berufs­ge­richt­li­cher Ver­fol­gung, son­dern zu ver­wal­tungs­recht­li­chen Ein­grif­fen der Kam­mer (vgl. nur § 20 Abs. 2 Nr. 5 und 6 WPO) geben soll­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. August 2012 – WpSt® 1/​12

  1. a. A. Amberg in Hense/​Ulrich, WPO, 2008, § 126 Rn. 3 ; Kuhls, StBerG, 3. Aufl., § 151 Rn. 16[]
  2. vgl. BVerfGE 42, 261, 262 f.; BGH, Urteil vom 05.03.1979 – AnwSt ® 15/​78, BGHSt 28, 333, 336 ; Jähn­ke in Fest­schrift für Pfeif­fer, 1988, S. 941, 950[]
  3. in die­sem Sin­ne Kuhls aaO ; vgl. auch Sil­va Schmidt in Hense/​Ulrich, WPO, 2008, § 43 Rn. 287 f.[]