Frist­be­rech­nung – oder : wenn der Anwalt Sonn­tags arbei­tet…

Anders als im Fall der Zustel­lung [1] beginnt bei form­lo­ser Mit­tei­lung der Ent­schei­dung die Rechts­mit­tel­frist (hier : die Ver­fas­sungs­be­schwer­de­frist gemäß § 93 Abs. 1 Satz 1 und 3 BVerfGG) mit dem Zugang der Ent­schei­dung.

Frist­be­rech­nung – oder : wenn der Anwalt Sonn­tags arbei­tet…

Zugang liegt vor, wenn die Ent­schei­dung in einer Wei­se in den Herr­schafts­be­reich des Emp­fän­gers gelangt ist, dass von deren Kennt­nis­nah­me aus­ge­gan­gen wer­den kann [2].

Dies ist bei einem Rechts­an­walt mit dem Ein­gang der Ent­schei­dung in des­sen Kanz­lei der Fall. Auf die tat­säch­li­che Kennt­nis­nah­me kommt es dabei nicht an [3].

Vor­lie­gend wur­de der Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts form­los mit­ge­teilt. Die Frist zur Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gemäß § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG war dem­nach aus­ge­hend vom Tag des tat­säch­lich bewirk­ten Zugangs – hier : am Sams­tag, den 10.05.2014 – zu berech­nen, so dass die am Mitt­woch, den 11.06.2014 erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de ver­fris­tet war.

Soweit die Bevoll­mäch­tig­te des Beschwer­de­füh­rers gel­tend macht, es dür­fe ihrem Man­dan­ten nicht zum Nach­teil gerei­chen, wenn sie aus­nahms­wei­se sonn­tags im Büro gewe­sen sei und dem­zu­fol­ge den Beschluss bereits an die­sem Tag und nicht erst mon­tags mit dem Kanz­lei­da­tums­s­tem­pel ver­se­hen habe, kommt es hier­auf also nicht an.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Juli 2016 – 2 BvR 1304/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 22.10.2014 – IV ZB 13/​14 9[]
  2. vgl. Ham­mer, a.a.O., § 93 Rn. 14[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 09.04.2008 – 2 BvR 454/​08, Rn. 2[]