Erstanzlich ausgeschlossene Angriffs- und Verteidigungsmittel – in der Berufung

13. April 2018 | Prozess- und Verfahrensrecht
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§ 531 Abs. 1 ZPO, wonach Angriffs- und Verteidigungsmittel, die im ersten Rechtszug zu Recht zurückgewiesen worden sind, auch in der Berufungsinstanz ausgeschlossen sind, ist nicht anwendbar, wenn in erster Instanz Vorbringen nach § 296a ZPO unberücksichtigt geblieben ist1.

Bleibt ein Angriffs- oder Verteidigungsmittel einer Partei deswegen unberücksichtigt, weil der Tatrichter es in offenkundig fehlerhafter Anwendung einer Präklusionsvorschrift wie des § 531 ZPO zu Unrecht zurückgewiesen hat, so ist zugleich der Anspruch der Partei auf Gewährung rechtlichen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG) verletzt2.

Die Präklusionsnorm des § 531 Abs. 1 ZPO erfasst nicht Vorbringen, das nach § 296a Satz 1 ZPO unberücksichtigt geblieben ist.

Nach § 531 Abs. 1 ZPO bleiben Angriffs- und Verteidigungsmittel, die im ersten Rechtszug zu Recht zurückgewiesen worden sind, auch für die Berufungsinstanz ausgeschlossen. Diese Vorschrift ist aber nur anwendbar, soweit Angriffs- und Verteidigungsmittel in erster Instanz nach § 296 Abs. 1, 2 oder 3 ZPO zurückgewiesen worden sind3.

Eine solche Fallgestaltung war in dem hier vom Bundesgerichtshof entschiedenen Fall nicht gegeben. Das Landgericht hat das geänderte Vorbringen der Beklagten nicht nach § 296 ZPO zurückgewiesen, sondern dieses vielmehr gemäß § 296a ZPO unberücksichtigt gelassen, weil es seiner Auffassung nach nicht von dem den Parteien in der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht gemäß § 283 Satz 1 ZPO gewährten Schriftsatzrecht gedeckt gewesen sei.

Bei Vorbringen, welches in erster Instanz nach § 296a ZPO unberücksichtigt bleibt, kommt jedoch eine Anwendung des § 531 Abs. 1 ZPO von vornherein nicht in Betracht4. Dies gilt unabhängig davon, ob die Nichtberücksichtigung in der Vorinstanz zu Recht erfolgt ist oder nicht.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 27. Februar 2018 – VIII ZR 90/17

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 21.03.2013 – VII ZR 58/12, NJW-RR 2013, 655 Rn. 10 []
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüsse vom 10.05.2016 – VIII ZR 97/15, GE 2016, 1207 Rn. 9; vom 20.09.2016 – VIII ZR 247/15, NJW 2017, 491 Rn. 14; vom 16.05.2017 – VI ZR 89/16, NJW-RR 2017, 1018 Rn. 8; vom 17.05.2017 – VII ZR 36/15, NJW 2017, 3661 Rn. 17; jeweils mwN; vgl. auch BVerfGE 69, 145, 149; 75, 302, 312 f.; BVerfG, Beschluss vom 05.11.2008 – 1 BvR 1822/08 3 []
  3. BGH, Beschluss vom 21.03.2013 – VII ZR 58/12, NJW-RR 2013, 655 Rn. 10; BGH, Urteil vom 17.10.1979 – VIII ZR 221/78, NJW 1980, 343 unter 1 b mwN [zu § 528 Abs. 3 ZPO aF]; BVerfGE 55, 72, 91 [zu § 528 Abs. 3 ZPO aF]; Zöller/Heßler, ZPO, 32. Aufl., § 531 Rn. 6 []
  4. BGH, Beschluss vom 21.03.2013 – VII ZR 58/12, aaO; vgl. zudem BGH, Urteile vom 10.07.1979 – VI ZR 223/78, NJW 1979, 2109 unter – II 2 b; vom 31.01.1980 – VII ZR 96/79, BGHZ 76, 133, 141; vom 10.03.1983 – VII ZR 135/82, NJW 1983, 2030 unter – II 1 [jeweils zu § 528 Abs. 3 ZPO aF] []

 

 

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