Ein Miet­preis­rech­ner ersetzt kein Inkas­so­un­ter­neh­men

Ein Mie­ter ist nicht gehal­ten, nach Nut­zung eines von einem Inkas­so­un­ter­neh­men ange­bo­te­nen Miet­preis­rech­ners auf des­sen Beauf­tra­gung zu ver­zich­ten, selbst an den Ver­mie­ter her­an­zu­tre­ten und – bei einer ableh­nen­den Ant­wort – direkt Kla­ge zu erhe­ben.

Ein Miet­preis­rech­ner ersetzt kein Inkas­so­un­ter­neh­men

Ein (mate­ri­ell-recht­li­cher oder pro­zes­sua­ler) Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch ist nicht des­we­gen ent­fal­len oder gemin­dert, weil die Ein­schal­tung des Inkas­so­un­ter­neh­mens nicht erfor­der­lich im Sin­ne von § 249 BGB gewe­sen wäre oder der Mie­ter gegen sei­ne Scha­dens­min­de­rungs­pflicht nach § 254 Abs. 2 BGB ver­sto­ßen hät­te. Die Ein­schal­tung des Inkas­so­un­ter­neh­mens war aus Sicht des Mie­ters zur Wah­rung sei­ner Rech­te erfor­der­lich und zweck­mä­ßig [1].

Es kommt auch nicht dar­auf an, ob die Ein­schal­tung eines Inkas­so­un­ter­neh­mens nicht erfolg­ver­spre­chend und somit unzweck­mä­ßig ist, wenn der Schuld­ner von vorn­her­ein zah­lungs­un­wil­lig ist. Denn eine sol­che Fall­kon­stel­la­ti­on lag im hier ent­schie­de­nen Fall nicht vor. Im Zeit­punkt der Beauf­tra­gung des Inkas­so­un­ter­neh­mens war eine gericht­li­che Gel­tend­ma­chung nicht mög­lich, son­dern es bedurf­te noch wei­te­rer vor­ge­schal­te­ter Hand­lun­gen, deren Durch­füh­rung die regis­trier­te Inkas­so­dienst­leis­te­rin nach den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs vom 27.11.2019 ; und vom 08.04.2020 [2] über­neh­men durf­te und die der Mie­ter schon wegen der Kom­ple­xi­tät der Mate­rie auch unter den Gesichts­punk­ten der Erfor­der­lich­keit und der Scha­dens­min­de­rungs­pflicht nicht selbst vor­neh­men muss­te. Ins­be­son­de­re war noch eine qua­li­fi­zier­te Rüge nach § 556g Abs. 2 BGB zu erhe­ben.

Zudem lag noch kei­ne Aus­kunft des Ver­mie­ters über die in § 556g Abs. 3 BGB genann­ten Tat­sa­chen vor. Auch zu deren Ein­ho­lung konn­te und durf­te die Klä­ge­rin ein­ge­schal­tet wer­den. Abge­se­hen davon war im Zeit­punkt der Beauf­tra­gung der Klä­ge­rin noch nicht ersicht­lich, ob und inwie­weit eine Kla­ge­er­he­bung erfor­der­lich sein wür­de. Dies konn­te sich erst aus der Reak­ti­on des Ver­mie­ters auf die Gel­tend­ma­chung der Aus­kunfts­an­sprü­che sowie die Erhe­bung der Rüge erge­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Mai 2020 – VIII ZR 58/​19

  1. vgl. BGH, Urteil vom 15.11.2011 – VI ZR 4/​11, NJW 2012, 601 Rn. 14 ; zu vor­ge­richt­li­chen Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten BGH, Urteil vom 10.01.2006 – VI ZR 43/​05, NJW 2006, 1065 Rn. 5[]
  2. BGH, Urtei­le vom 27.11.2019 – VIII ZR 285/​18, aaO ; und vom 08.04.2020 – VIII ZR 130/​19, aaO[]