Die Diplom-Wirtschaftsjuristin auf dem Anwaltsbriefkopf

Es ist nicht zuläs­sig, auf dem Briefkopf eines Recht­san­walts den Namen ein­er Diplom-Wirtschaft­sjuristin (FH) aufzuführen, ohne dass durch Zusätze klargestellt wird, dass kein Fall der gemein­schaftlichen Beruf­sausübung vor­liegt.

Die Diplom-Wirtschaftsjuristin auf dem Anwaltsbriefkopf

Die Ver­wen­dung eines gemein­samen Briefkopfs stellt ein wer­ben­des Ver­hal­ten dar, das darauf abzielt, den Verkehr für die Inanspruch­nahme von Leis­tun­gen des Recht­san­walts zu gewin­nen1. Sie unter­liegt damit den anwaltliche Werbe­maß­nah­men ein­schränk­enden Bes­tim­mungen der §§ 43b, 59b Abs. 2 Nr. 3 BRAO i.V.m. §§ 8 ff. BORA, wobei im Lichte der von Art. 12 Abs. 1 GG geschützten Beruf­sausübungs­frei­heit im Einzelfall nicht die Ges­tat­tung der Anwaltswer­bung, son­dern deren Beschränkung ein­er beson­deren Recht­fer­ti­gung bedarf2.

Von diesen Grund­sätzen aus­ge­hend ist eine der­ar­tige Aus­gestal­tung des anwaltlichen Briefkopfs als irreführend anzuse­hen. Ddurch den ver­wen­de­ten Briefkopf wird der Ein­druck erweckt, es beste­he zwis­chen dem Recht­san­walt und der Diplom-Wirtschaft­sjuristin (FH) eine beru­fliche Zusam­me­nar­beit in Form ein­er Sozi­etät. Dies trifft jedoch ger­ade nicht zu. Es hätte deshalb dem Recht­san­walt oble­gen, einen klarstel­len­den Hin­weis auf diesen Umstand aufzunehmen (§ 8 Satz 2 BORA).

Das Ver­lan­gen der Recht­san­walt­skam­mer nach einem klarstel­len­den Hin­weis auf die tat­säch­lichen Ver­hält­nisse in der Kan­zlei des Recht­san­walts find­et seine Grund­lage in der ein­deuti­gen und insoweit kein­er ander­weit­i­gen Inter­pre­ta­tion zugänglichen Regelung des § 8 Satz 2 BORA. Ver­fas­sungsrechtliche Bedenken gegen die Anwen­dung der Vorschrift auf den vor­liegen­den Fall hegt der Bun­des­gericht­shof nicht. Diese beruht auf der Ermäch­ti­gungs­grund­lage des § 59b Abs. 2 Nr. 3 BRAO und wird von der Recht­sprechung sowie der herrschen­den Kom­men­tar­lit­er­atur der Recht­san­wen­dung zugrunde gelegt3. Sie dient dem Schutz der Recht­suchen­den vor Irreführung, mithin einem wichti­gen Belang des Gemein­wohls, der die — über­aus ger­ingfügige — Beein­träch­ti­gung der Beruf­sausübungs­frei­heit des Recht­san­walts (Art. 12 Abs. 1 GG) recht­fer­tigt4.

Der Hin­weis des Recht­san­walts auf den Beschluss des Bun­des­gericht­shofs vom 16.05.20135 geht schon deswe­gen fehl, weil vor­liegend nicht die ver­fas­sungsrechtliche Beurteilung des § 59a Abs. 1 BRAO, son­dern die Notwendigkeit zutr­e­f­fend­er Darstel­lung der tat­säch­lichen Ver­hält­nisse in Frage ste­ht6. Zudem sind Gegen­stand der genan­nten Entschei­dung die Berufe des Arztes und des Apothek­ers, die sich in mehrfach­er Hin­sicht von dem des Diplom-Wirtschaft­sjuris­ten (FH) unter­schei­den7.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 18. Dezem­ber 2015 — AnwZ (Brfg) 19/15

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 12.07.2012 — AnwZ (Brfg) 37/11, BGHZ 194, 79 Rn. 18; Beschluss vom 23.09.2002 — AnwZ (B) 67/01, NJW 2003, 346; jew­eils mwN []
  2. BGH, Urteile vom 12.07.2012 — AnwZ (Brfg) 37/11, aaO; vom 01.03.2001 — I ZR 300/98, BGHZ 147, 71, 74 f. []
  3. vgl. Bor­mann in Gaier/Wolf/Göcken, Anwaltlich­es Beruf­s­recht, 2. Aufl., § 8 BORA/§ 59a BRAO Rn. 1, 5, 8 mwN []
  4. vgl. auch BGH, Beschluss vom 24.09.2015 — AnwZ (Brfg) 31/15 Rn. 12 []
  5. BGH, Beschluss vom 16.05.2013 — II ZB 7/11, NJW 2013, 2674 []
  6. vgl. auch Träger in Feuerich/Weyland, 9. Aufl., § 8 BORA Rn. 8; Prüt­ting in Henssler/Prütting, BRAO, 4. Aufl., § 8 BORA Rn. 2 []
  7. vgl. unter anderem zur straf­be­wehrten eigen­ständi­gen Schweigepflicht, zu den straf­prozes­sualen Schutzvorschriften und zur Beruf­sauf­sicht BGH, Beschluss vom 16.05.2013 — II ZB 7/11, aaO Rn. 60, 66 ff. []