Der Umfang der Beraterhaftung

Beste­ht eine Schadenser­satzpflicht des Steuer­ber­aters, ist zu beacht­en, dass ein Man­dant, der infolge fehler­hafter Beratung durch den Steuer­ber­ater eine nachteilige Ver­mö­gens­dis­po­si­tion getrof­fen hat, grund­sät­zlich nur den Schaden erset­zt ver­lan­gen kann, der ihm durch das Ver­trauen auf die Richtigkeit und Voll­ständigkeit der Beratung ent­standen ist1.

Der Umfang der Beraterhaftung

Der Man­dant ist erst geschädigt, wenn sich seine Ver­mö­genslage “unterm Strich” schlechter darstellt, also ohne die dem Berater anzu­las­tende Pflichtver­let­zung. Im Bere­ich der Recht­sund Steuer­ber­ater­haf­tung darf die Dif­ferenz­be­tra­ch­tung nicht auf einzelne Rech­nungsposten beschränkt wer­den; erforder­lich ist vielmehr ein Gesamtver­mö­gensver­gle­ich, der alle von dem haf­tungs­be­grün­den­den Ereig­nis betrof­fe­nen finanziellen Posi­tio­nen umfasst2.

Hat der Man­dant im Anschluss an eine Empfehlung der Steuer­ber­ater mehrere Anla­gen getätigt, so waren diese gle­icher­maßen von der vorheri­gen Aufk­lärungspflichtver­let­zung bee­in­flusst3.

Sind Vorteile unmit­tel­bare Folge aus dem schadenss­tif­ten­den Ereig­nis, so sind sie ohne dass es eines etwaigen Vorteil­saus­gle­ichs bedürfte unmit­tel­bar in die Berech­nung des vom Man­dan­ten darzule­gen­den und zu beweisenden Schadens einzubeziehen4.

Bun­des­gericht­shof, Urteil vom 6. Dezem­ber 2018 — IX ZR 176/16

  1. BGH, Urteil vom 07.05.1991 — IX ZR 188/90, NJW-RR 1991, 1125, 1126 []
  2. BGH, Urteil vom 20.11.1997 — IX ZR 286/96, NJW 1998, 982, 983; vom 20.01.2005 — IX ZR 416/00, WM 2005, 999, 1000; vom 07.02.2008 — IX ZR 149/04, NJW 2008, 2041, 2042 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 18.10.2018 — III ZR 497/16, WM 2018, 2179 Rn. 27 []
  4. vgl. Gan­ter, NJW 2012, 801, 806; Schultz in Henssler/Gehrlein/Holzinger, aaO, Kap. 5 Rn. 131 []