Der doch nicht festgestellte Grundbuchinhalt

Einem Notar, der sich ent­ge­gen seines Ver­merks in der betr­e­f­fend­en Urkunde nicht über den Grund­buch­in­halt unter­richtet hat, ist nicht nur ein Ver­stoß gegen § 21 Abs. 1 Satz 1 BeurkG anzu­las­ten, wonach sich der Notar bei Geschäften, die im Grund­buch einge­tra­gene oder einzu­tra­gende Rechte betr­e­f­fen, über den Grund­buch­in­halt unter­richt­en soll. Vielmehr hat er, was noch stärk­er ins Gewicht fällt, gegen seine Wahrheit­spflicht ver­stoßen, die eine Kar­di­nalpflicht des Notars ist1.

Der doch nicht festgestellte Grundbuchinhalt

Bei allen Amts­geschäften hat der Notar vor allem die Wahrheit zu bezeu­gen. Er darf nur bekun­den, was er nach gewis­senhafter Prü­fung als zutr­e­f­fend erkan­nt hat. Er muss die Wahrheit deut­lich sagen und jeden falschen Schein ver­mei­den2.

Indem der Notar in die Kaufver­trag­surkunde auf­nahm, er habe “das Grund­buch am 16.10.08 einge­se­hen”, obgle­ich er dies unter­lassen hat­te, beurkun­dete er unter Ver­stoß gegen diese grundle­gende notarielle Pflicht eine unrichtige Tat­sache. Dabei han­delte der Notar — fol­gt man sein­er im vor­liegen­den Fall erfol­gten Ein­las­sung, er habe sich auf einen von den Beteiligten vorgelegten älteren Grund­buchauszug ver­lassen — vorsät­zlich. Denn er wusste bei der Beurkun­dung, dass er das Grund­buch an dem genan­nten Tag nicht einge­se­hen hat­te.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 16. März 2015 — NotSt (Brfg) 7/14

  1. BGH, Urteile vom 21.11.1996 — IX ZR 182/95, BGHZ 134, 100, 107; und vom 04.06.1992 — IX ZR 58/91, NJW-RR 1992, 1176, 1177 f. []
  2. BGH aaO []