Beru­fungs­be­grün­dung – und die ein­ge­scann­te Unter­schrift

Beim Gericht im Ori­gi­nal ein­ge­reich­te, aber ledig­lich mit einer ein­ge­scann­ten Unter­schrift ver­se­he­ne Schrift­sät­ze zur Beru­fungs­be­grün­dung genü­gen den Forman­for­de­run­gen nicht.

Beru­fungs­be­grün­dung – und die ein­ge­scann­te Unter­schrift

Als bestim­men­der Schrift­satz muss die Beru­fungs­be­grün­dung gemäß § 520 Abs. 5, § 130 Nr. 6, § 78 Abs. 1 Satz 1 ZPO grund­sätz­lich durch einen pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten unter­zeich­net sein [1]. Die ledig­lich ein­ge­scann­te Unter­schrift genügt die­sen Forman­for­de­run­gen bei einem im Ori­gi­nal ein­ge­reich­ten Schrift­satz nicht [2].

Zum Nach­weis der Urhe­ber­schaft reicht allein der per­sön­li­che Ein­wurf in den Gerichts­brief­kas­ten nicht aus [3].

Schließ­lich hat das Beru­fungs­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall dem Beklag­ten zutref­fend eine Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Frist zur Begrün­dung der Beru­fung ver­sagt (§ 233 Satz 1 ZPO) [4], da weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich ist, dass die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist ohne Ver­schul­den ver­säumt wor­den ist.

Wird die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist ver­säumt, weil wie vor­lie­gend inner­halb der lau­fen­den Frist ein nicht unter­schrie­be­ner und damit zur Ein­hal­tung der Frist nicht geeig­ne­ter Schrift­satz bei dem Gericht ein­ge­gan­gen ist, ist grund­sätz­lich von einem dem Beru­fungs­klä­ger nach § 85 Abs. 2 ZPO zuzu­rech­nen­den Anwalts­ver­schul­den aus­zu­ge­hen, da es zur Pflicht eines Rechts­an­walts gehört, für einen man­gel­frei­en Zustand der aus­ge­hen­den Schrift­sät­ze zu sor­gen, wozu die gemäß § 130 Nr. 6 ZPO zu leis­ten­de Unter­schrift gehört [5].

Die­ses Ver­schul­den ist jedoch dann nicht recht­lich erheb­lich, wenn alle erfor­der­li­chen Schrit­te unter­nom­men wur­den, die bei nor­ma­lem Ablauf der Din­ge mit Sicher­heit dazu füh­ren wür­den, dass die Frist gewahrt wer­den kann. In der Recht­spre­chung ist des­halb aner­kannt, dass bei feh­len­der Unter­zeich­nung der bei Gericht frist­ge­recht ein­ge­reich­ten Rechts­mit­tel(Begründungs)schrift Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand gewährt wer­den kann, wenn der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te sein Büro­per­so­nal all­ge­mein ange­wie­sen hat­te, sämt­li­che aus­ge­hen­den Schrift­sät­ze vor der Absen­dung auf das Vor­han­den­sein der Unter­schrift zu über­prü­fen. Da die Unter­schrif­ten­kon­trol­le die der Rechts­an­walt zuver­läs­si­gen Büro­kräf­ten über­las­sen darf [6] gera­de der Ver­mei­dung eines erfah­rungs­ge­mäß nicht gänz­lich aus­schließ­ba­ren Anwalts­ver­se­hens bei der Unter­schrifts­leis­tung dient, ist bei einem Ver­sa­gen einer sol­chen Kon­trol­le ein Rück­griff auf ein Anwalts­ver­se­hen im Zusam­men­hang mit der Unter­zeich­nung aus­ge­schlos­sen [7].

Der Beklag­ten­ver­tre­ter hat vor­lie­gend jedoch weder zur Unter­schrif­ten­kon­trol­le im Ein­zel­fall noch zum Bestehen einer vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Anwei­sung in sei­nem Büro vor­ge­tra­gen. Im Gegen­teil hat er erklärt, er habe für die Ver­sen­dung von Schrift­sät­zen per Com­pu­ter­fax eine Unter­schrift ein­ge­scannt, die er beim Aus­druck des Ori­gi­nals meis­tens ent­fer­ne und dann per Hand unter­schrei­be. Manch­mal unter­blei­be dies aber auch wegen eines Ver­se­hens.

Dass die Frist­ver­säu­mung mit Rück­sicht dar­auf unver­schul­det gewe­sen sei, dass der Beklag­te wegen sei­ner Bedürf­tig­keit vor der Bewil­li­gung recht­zei­tig bean­trag­ter Pro­zess­kos­ten­hil­fe einen zur Begrün­dung der Beru­fung berei­ten Rechts­an­walt nicht habe fin­den kön­nen, hat er in sei­nem Wie­der­ein­set­zungs­an­trag selbst nicht gel­tend gemacht. Viel­mehr hat sein Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter dort vor­ge­tra­gen, dass bereits mit dem zusam­men mit dem PKHAn­trag ein­ge­reich­ten Schrift­satz eine wirk­sa­me Beru­fungs­be­grün­dung erfol­gen soll­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Novem­ber 2019 – VIII ZA 4/​19

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 23.06.2005 – V ZB 45/​04, NJW 2005, 2709 unter – III 2 a aa ; vom 31.01.2019 – III ZB 88/​18, NJW-RR 2019, 441 Rn. 8 ; vom 15.05.2019 XII ZB 573/​18, NJW 2019 Rn. 10 [zu § 519 ZPO aF][]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 27.08.2015 – III ZB 60/​14, NJW 2015, 3246 Rn. 12 ; vgl. dem­ge­gen­über zum Com­pu­ter­Fax GmSOGB, Beschluss vom 05.04.2000 GmSOGB 1/​98, BGHZ 144, 160, 164 ; BGH, Urteil vom 10.05.2005 – XI ZR 128/​04, NJW 2005, 2086 unter B – II 1 b ; Beschluss vom 10.10.2006 – XI ZB 40/​05, NJW 2006, 3784 Rn. 11[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 27.03.1980 – VII ZB 1/​80, VersR 1980, 765 ; vom 16.12 1982 – VII ZB 31/​82 4 ; zur hier nicht vor­ge­brach­ten ander­wei­ti­gen Behe­bung des Unter­schrifts­man­gels vgl. BGH, Beschluss vom 10.04.2018 – VIII ZB 35/​17, aaO Rn. 15[]
  4. OLG Mün­chen, Beschluss vom 23.01.2019 24 U 3486/​18[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 17.12 2015 – V ZB 161/​14, NJW 2016, 718 Rn. 10 mwN[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 23.11.1988 – VIII ZB 31/​88, NJW 1989, 589 unter 2 b[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 06.12 1995 – VIII ZR 12/​95, NJW 1996, 998 unter – II 2 b ; Beschluss vom 15.07.2014 – VI ZB 15/​14, NJW 2014, 2961 Rn. 9 ; jeweils mwN[]