Anwaltszwang

Der § 78 Abs. 1 ZPO zu ent­nehmende Anwalt­szwang ver­stößt nach Ansicht des Bun­des­gericht­shofs nicht gegen höher­rangiges Recht. Er dient der Qual­ität und dem Funk­tion­ieren des Rechtss­chutzes und damit der ver­fas­sungsmäßi­gen Ord­nung.

Anwaltszwang

Die Mitwirkung von Recht­san­wäl­ten am Ver­fahren trägt wesentlich zur Auss­chöp­fung des tat­säch­lichen und rechtlichen Prozessstoffes bei. Sie führt außer­dem zu ein­er Ver­sach­lichung des Rechtsstre­its, die dem raschen und rei­bungslosen Prozessver­lauf zugutekommt.

Durch diese Zwecke ist die mit dem Anwalt­szwang ein­herge­hende Beschränkung der Parteirechte hin­re­ichend sach­lich gerecht­fer­tigt und wegen der Möglichkeit der Bewil­li­gung von Prozesskosten­hil­fe sowie der Beiord­nung eines Anwalts gemäß den §§ 78b, 78c ZPO auch zumut­bar1.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 12. Novem­ber 2014 — IX ZB 61/14

  1. BGH, Beschluss vom 28.02.2013 — IX ZR 220/12, nv; BVer­fGE 74, 78, 93; BVer­fG, DTZ 1992, 183, 184; NJW 1993, 3192; BFHE 240, 219; Stein/Jonas/Bork, ZPO, 22. Aufl., § 78 Rn. 16; MünchKomm-ZPO/­Tous­saint, 4. Aufl., § 78 Rn. 3; Musielak/Weth, ZPO, 11. Aufl., § 78 Rn. 2 []